“For Mayor Godfrey Buehler”

Deutschamerikanisches Charakterbild

in

8 Aufzügen

To be included in a forthcoming Max Kade Institute publication, German-Language Literature in America

 

Personen.

 

Gottfried Buehler, Mayorskandidat.

Marie, dessen Frau.

Rosa,

Fritz, 12 Jahre alt, @ deren Kinder.

Gustav Dorn, Schwager Buehlers.

Mr. C. J. Oldham, Neffe Buehlers.

Christian, Kutscher

Dörte, Stubenmädchen  @ im Hause Buehlers.

Judge Thompson, Mayorskandidat.

Harold, dessen Sohn.

Peter Deutsch, genannt “Dutch Pete,” Saluhnkieper.

Mrs. Mayer, Präsidentin des Schulvereins.

Rebecca Sonnenstrahl.

Mauser, Stadtrathsmitglied.

Ein Ticketpeddler.  Ein Reporter.  Die Sekretärin des Schulvereins.  Postbotin.  Loosverkäuferin.

Mr. Smith,  

Mr. Jones,   A Freunde und Parteigenossen Thompsons.

Mr. Crooke,

Mr. Cook,   A

Mr. Balzer,

Mr. Knödel,   Freunde und Parteigenossen Buehlers.

Mr. Lutz,     A

   Freundinnen Rosas.  Fairbesucher.  Damenkommitee.  Barney, der Kutscher des Nachbars.

 

Ort der Handlung: Porcupine City.

 

            Der erste Akt spielt auf einer deutschamerikanischen Fair, am Schlußabend derselben.  Der zweite am Nachmittag und Abend des darauffolgenden Wahltages.  Der dritte am Morgen nach der Wahl.

Zeit: Gegenwart.

                                                                       

 

            Die folgende Drucklegung des Stückes geschieht in der vortrefflichen Bühneneinrichtung meines Freundes Ferdinand Welb, welch feinsinnigem Dramaturgen und gewandtem Spielleiter ich zu bleibendem Danke verpflichtet bin. Es ist auch großentheils seiner vortrefflichen Personifizirung des “Gottfried Buehler” zuzuschreiben, daß das Stück denjenigen Erfolg errang, den es sich, seiner Zeit, bei mehrmaliger Aufführung in Milwaukee rühmen durfte.

 


 

Einige Winke für die Darstellung der Hauptpersonen des Stückes.

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Gottfried Buehler,

um dessen Person und Wesen sich das Stück dreht, stelle ich mir als einen gutsituirten, braven, aber eitlen und ehrgeizigen Deutschamerikaner vor.  Er hat eine mittelmäßige Erziehung genossen und ist durch ein gut Theil angestammter, oder in Amerika erworbener common sense und Thatkraft, zu Wohlstand gelangt.  Er hat ein klein wenig vom Parvenüe, aber ohne die Rohheit dieser Gattung.  Seine Sprechweise ist die so vieler Deutscher in den Vereinigten Staaten: unscharfe Aussprache, Anklang an das Mittel- und Süddeutsche, untermischt mit spezifisch englischen Wendungen und Brocken.  Wo letztere erscheinen, sollen sie, ohne besondere Betonung — wie selbstverständlich — in seinen Reden zum Ausdruck kommen.

            Das Englische, das er zu sprechen hat, soll der deutsche Schauspieler, sofern ihm die englische Sprache nicht geläufig ist, sorgfältig zu erlernen suchen.  Je näher der Schauspieler deutscher Zunge dem richtigen Englisch kommt und je sichtlicher seine Anstrengung wird, um so stärker wird die Wirkung sein.  Denn Buehler ist einer jener Deutschen, die trotz langjährigen Aufenthalts in Amerika des Englischen nicht ganz Herr geworden sind.  Einem im Lande geborenen deutschen Schauspieler wird diese Rolle, oder vielmehr der englische Theil derselben, weniger gelingen.

            Der politische Inhalt der Reden Buehlers, mag, nach Maßgabe der in der Gegenwart schwebenden Tagesfragen, verändert werden.  Solche Aenderungen aber müssen diskret vorgenommen werden.  Besonders muß das Einerseits und Anderseits seiner Hauptrede, am Schlusse des ersten Aktes, beibehalten bleiben und im Uebrigen darauf gesehen werden, daß Buehlers Charakterbild nicht vergröbert wird.

            Sein Alter ist circa 46 Jahr.  Er sollte in anständiger, gutpassender Kleidung dargestellt werden.  Ein wenig Wohlbeleibtheit wäre auch zu empfehlen.

 

Frau Marie Buehler.

            Einfache deutsche Hausfrau in guten Verhältnissen.  Sie hat, im Gegensatz zu ihrem Manne, eine etwas feinere Erziehung genossen.  Ihr Sinn dreht sich lediglich um ihr Hauswesen und ihre Familie.  Sie ist freundlich und gescheidt, ohne geistreich sein zu wollen.  Ihre Sprache ist die gewöhnliche, auf deutschen Bühnen übliche.  Alter etwa 40 Jahre.

 

Rosa Buehler.

            Aehnelt meist ihrer Mutter. Sie ist 18 bis 19 Jahre alt, an einer guten deutsch-englischen Schule in den Vereinigten Staaten erzogen; spricht perfekt deutsch. Wo in ihren Reden englische Worte vorkommen, sollten dieselben möglichst korrekt im Accent zum Ausdruck kommen. An ihr soll sichtbar werden etwas von amerikanischer Klugheit und eine gewisse Sicherheit im Auftreten; andererseits soll aber Pedanterie und Altklugheit vermieden werden.

            Eine lebendige Darstellung würde dieser Figur, obgleich ich nicht versucht habe, dieselbe besonders auszumalen (da sie nur in zweiter Reihe wichtig für die Handlung des Stückes ist), wohl zu statten kommen.

Gustav Dorn

ist typischer Deutschamerikaner von gediegener Bildung. Ist sich des Ansehens, das er unter der Bevölkerung deutscher sowohl als englischer Zunge genießt, bewußt. Er soll mit Frische und Humor dargestellt werden. Er hat den Krieg zur Erhaltung der Union mitgemacht und einen Arm dabei verloren.

 

Judge Thompson.

            Anglo-Amerikaner von Bildung, dem man es ansehen muß, daß er gereift ist und sich einigen Schliff erworben hat. Er spricht gutes Deutsch, aber der Schauspieler muß das englische “R” (mit der Zunge vorn am Gaumen) und das englische “L” (Zunge hinten an den Gaumen gedrückt), wo immer diese Buchstaben vorkommen, benutzen. Dieser Punkt muß sorgfältig beobachtet werden, da nur auf diese Weise ein Anglo-Amerikaner auf einer deutschen Bühne in den Vereinigten Staaten glaubhaft gemacht werden kann.

            Thompson ist etwas steif im Benehmen. Sollte mager dargestellt werden. Er ist genau in Allem, aber nicht ohne Wohlwollen.

 

Harold Thompson.

            Dies ist vielleicht die schwierigste Rolle des Stückes. Harold soll etwas von der Ungelenkigkeit oder vielmehr der Eigenheit des Benehmens der Yankees zeigen, welche Attribute darzustellen dem deutschen Schauspieler einige Schwierigkeiten bereiten dürften. Dabei muß alles Karrikiren vermieden werden. Dieses besonders in der Kleidung. Dieselbe muß fashionabel, darf aber nicht stutzerhaft sein.

            Er spricht gutes Deutsch in derselben Weise wie sein Vater, der ihm eine Erziehung auf einer deutschen Universität hat zutheil werden lassen.

 

Oldham

ist ein deutschamerikanischer “Dude” (Dandy, Stutzer), dabei verschlagen und ein Intriguant. Das Englische, das er spricht, muß perfekt sein; während sein Deutsch — wie das von den Thompsons gesprochene — mit dem englischen “R” und “L” versetzt werden muß. Er liebt Rosa nur oberflächlich und sieht in ihr lediglich die gute Partie.

 

Peter Deutsch

(Dutch Pete) ist der landläufige deutschamerikanische Bierwirth ober “Saluhnkieper.” Breit, kommun und derb im Wesen wie im Aussehen. Er sollte möglichst dick personifizirt werden, ohne Schnurrbart, aber mit rothblondem Kinnbart und gleichfarbiger Perrücke.

            Hier muß wieder bemerkt werden, daß etwaige vorkommende englische Brocken korrekt (im Sinne wie diese Art Leute sie eben sprechen) hervorgebracht werden. Alle Rollen, worin solche spezifisch deutsch-amerikanische Merkmale vorkommen, müssen auf ein hiesiges Publikum lächerlich anstatt komisch wirken, wenn sie in dieser Beziehung unwahr dargestellt werden.

 

Christian

habe ich als Schwaben aufgefaßt, weil mir diese Landsleute geläufig sind. Ich habe nichts dagegen, wenn diese Figur schweizerisch, bayerisch oder österreichisch gespielt wird. Man richte sich darin nach vorhandenen Kräften; nur muß die Rolle süddeutsche Färbung haben, weil cholerische Temperamente im Süden häufiger angetroffen werden als im Norden. Gutmüthigkeit ist ein Hauptmerkmal dieser Episodenfigur.

 

Dörthe

ist Repräsentantin der großen Rasse von Dienstmädchen, die ein gemischtes Deutsch, wie ich es angewandt, sprechen. Das Pommerisch-Mecklenburgische ist dabei vorherrschend. Man vermeide das Städtisch-Berlinische indessen soviel als möglich. Mit den Redensarten ist es zu halten, wie ich unter “Peter Deutsch” angegeben. Korrektes Auswendiglernen eines jeden Wortes ist unerläßlich.

 

Ticket Peddler.

            Muß starken plattdeutschen Anklang haben. Zuviel mag indessen dem Verständniß seitens der Zuhörer nachtheilig sein. Wenn mein Versuch im Plattdeutschen von einem Schauspieler, dessen Muttersprache Niederdeutsch ist, verbessert werden kann oder soll, so hüte er sich nur davor, die Sache allzu echt zu machen. Der allgemeine Ton wohlgetroffen ist dem zu genauen Markiren des Einzelnen in der Sprache vorzuziehen.

 

            Die übrigen Rollen sind von geringerer Bedeutung und bedürfen dieselben deshalb keiner weiteren Erklärung meinerseits.

            Daß ich mich überhaupt einer Erläuterung der Figuren meines Stückes unterzogen habe — ein, wie ich glaube, bei Autoren rein- oder reichsdeutscher Werke nicht übliches Berfahren, — so geschah es einmal seines ungewöhnlichen Inhaltes wegen und zum andernmal unseren hiesigen Schauspielern, deren Mehrzahl nur kurze Zeit im Lande lebt, einen kleinen Leitfaden an die Hand zu geben, der ihnen eine glaubhafte und treue Darstellung der Figuren des Stückes ermöglichen soll.

            Wenn je bei einem dramatischen Werke es auf Naturtreue “richt­igen Ton” und wahre “Atmosphäre” ankam, so ist dies bei folgendem Stücke der Fall. Andrerseits glaube ich, wird es dem Schauspieler bei einiger Liebe zur Sache, und vorhergehender sorgfältiger Beobachtung deutschamerikanischen Lebens und Treibens, gelingen die erheblicheren Gestalten des Stückes, sich zu Dank und den Zuschauern zum Genusse, darstellen zu können.

 

                                                                                                            J. G.

 

 

 


Erster Akt.

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            Die Szene stellt eine sogenannte “Fair” dar, welche von einer deutschamerikanischen Schule zum Zwecke der Kasse eines deutschamerikanischen höheren Institutes aufzuhelfen, veranstaltet worden ist. Die Bühne ist festlich bekränzt und beflaggt. Buden mit allerlei Zierrath und Kunterbunt besetzt, sind an den Seiten aufgestellt und laufen desgleichen am Hintergrund entlang. Auf einer Erhöhung in der hintern Ecke rechts ist ein Flügel postirt, auf dem ein junger Mann mit Unterbrechungen klimpert. In der Ecke links ist eine “Postoffice” angebracht. Den Mittelgrund der Bühne nimmt ein mit den Sternen und Streifen und der Statue der Freiheitsgöttin geschmücktes Bureau ein. Auf den Ecken desselben Büsten von Washington und Lincoln. Nach vorne zu ist in diesem Bureau ein ziemlich großer Schalter eingefügt, welcher weit offen steht und hinter welchem man einzelne, mit Brillen behaftete, ältere Frauen sieht. Dieselben tragen fast ununterbrochen ein freundliches Lächeln auf dem Gesicht. Ueber dem Bureau prangt ein Schild, welches deutsch und englisch folgende Inschrift trägt:

            “A silver ice-pitcher and goblets to be presented to the most popular candidate for Mayor! Votes 50 cents each.”

            Dieses Service soll irgendwo zur Ansicht ausgestellt sein. Gruppen von Mädchen (theils in Phantasiekostümen) treten ab und zu und fordern junge und ältere Männer, Besucher der Fair auf, Loose für alle möglichen Dinge zu nehmen und zeichnen die Nummern der genommenen Loose dann in kleine Büchelchen ein. An erhöhter Stelle sollte ein großes sog. “Crazy Quilt” aufgehängt werden und allerlei sonstige Gegenstände, meistens Haushaltungsartikel mit enormen Preisen versehen, zum Verkauf ausgeboten werden. In der Coulisse links sieht man das Ende eines Schanktisches hervorstehen, welcher ebenfalls dekorirt gedacht ist.

            Beim Aufzuge des Vorhanges steht eine junge Dame (Rebecca) neben dem Klavier und singt: “When the swallows homeward fly.” Dieses Lied hat sie (in englischer Sprache) unter Begleitung des Klavierspielers schon vorher angefangen und sie singt beim Aufziehen des Vorhanges eben noch die letzten Verszeilen. Applaus der Anwesenden im Hintergrunde. Fräulein verbeugt sich steif und linkisch und läuft dann ziemlich unzeremoniell und kichernd in den Vordergrund. Einige Freundinnen und Bekannte, darunter Rosa Buehler folgen.

            Fortwährend lebhaft bewegtes Bild. Gedämpftes Lachen und Sprechen. Ab und zu Klavierspiel.

 

 

1. Scene.

Rosa, Rebecca, Freundinnen.

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            (Alle Freundinnen sprechen und bekomplimentiren Rebecca.)

            Erste Freundin. Fein, Rebecca! Das hast Du hübsch gesungen!

            Zweite Freundin. O so gefühlvoll! Das geht so zu herzen!

            Dritte Freundin. Besonders am Ende das: “Parting, yes parting gives pain!”

            Rosa. Aber sage mir, Rebecca, warum singst Du nicht deutsch? Gerade dieses Lied ist doch im Deutschen viel schöner.

            Rebecca. Denkst Du? O ich denke nicht! — Die deutsche Sprache ist so hart zu behalten und sie spricht sich auch so schlecht — (mit etwas niedergeschlagenen Augen) Mr. Oldham meint auch, das Englische wäre besser zu singen, als das Deutsche.

            Rosa. So, meint er das?

            Erste Freundin. O ich, ich denke auch, das Englische ist viel weicher.

            Dritte Freundin. Und viel eleganter — 

            Zweite Freundin. (Mit Augenaufschlag.) And so full of sentiment.

            (Freundinnen ab nach dem Hintergrund. Von Zeit zu Zeit Klavierspiel während der Szene, doch so, daß es den Dialog nicht stört.)

            Rosa. Sag’ mal, Rebecca, hat mein Vetter das wirklich gesagt?

            Rebecca. Sure! Er sagt, man müsse die deutsche Sprache — wie eine fremde Sprache behandeln.

            Rosa. Das heißt wohl, man müsse sie schlecht sprechen?

            Rebecca. O sha! Das nicht, aber man sollte sie mehr refined sprechen; — nicht so breit und gedehnt, — das klingt so dutchy!

            Rosa. Ihm wäre besser, wenn er redete, wie ihm der Schnabel gewachsen ist und seinen ehrlichen deutschen Namen behalten hätte.

            Rebecca. Er hat ganz recht, daß er seinen Namen gechanged hat.

            Rosa. Natürlich! Er ist ja Clerk in Sweetberg’s Dry Goods Store; da ist das Namenumändern ansteckend geworden.

            (Oldham im Hintergrund sichtbar.)

            Rebecca. Well, die feinsten Ladies von Shoddy-Heights kommen nur zu ihm, wenn sie shoppen gehen. — Doch da seh’ ich ihn kommen und so will ich Euch nicht weiter stören. (Schnippisch) Denn wenn Du da bist, sieht er mich doch nicht an! Rosie you’ve made a mash there!

            (Mit Gruß an Oldham vorbei, nach hinten im Vorübergehen Oldham grüßend.)

 

 

2. Scene.

Rosa, dann Oldham.

________

 

            Rosa. (Rebecca verächtlich nachsehend.) Mash!

            Oldham. (Ist schon im Hintergrund sichtbar gewesen.) How do you do, Rosie!

            Rosa. Guten Abend, Vetter! (gibt ihm die Hand.)

            Oldham. Ich hoffte Dich hier zu finden. Es ist die letzte Nacht, wo die Fair offen sein wird, dachte ich, und da wird Rosie sure nicht fehlen.

            Rosa. Du hast richtig gerathen. Sind doch die Eltern langjährige Mitglieder des Schulvereins.

            Oldham. Und dann wird heute Abend (leicht spottend) ja abgestimmt, wer mehr — mehr —  (kann das Wort nicht recht finden) populär ist, Dein Vater oder Judge Thompson —

            Rosa. Leider ist dem so!  Mein verblendeter Herr Papa glaubt eben, es sei zum Erfolge in der Politik nöthig. Indessen mein Geschmack ist dies (deutet auf den Schalter) hier durchaus nicht und ich wäre viel lieber zu Hause geblieben, wenn —

            Oldham. Wenn Du nicht hofftest, Harold hier zu treffen; — ja, ja, ich weiß —

            Rosa. Caspar!

            Oldham. Charles, if you please!

            Rosa. Ach was, Charles! Caspar Julius heißt Du. Doch lassen wir das. Ich weiß, daß Du auf Harold böse bist.

            Oldham. Er hat mich insultirt!

            Rosa. Er nannte Dich einen Dude, — ich weiß es.

            Oldham. Er hat’s Dir also schon erzählt?

            Rosa. Allerdings hat er das; aber Du verdienst auch nicht besser beurtheilt zu werden, denn Du bringst Deine ganze freie Zeit in Skating Rinks und bei Ice Cream- und Strawberry Parties zu und gehst regelmäßig in die Sonntagsschule. Natürlich nur wegen der hübschen Mädchen, die Du dort beisammen findest.

            Oldham. Aber Rosie, Du bist mistaken, — much mistaken. Ich liebe eben die refined society, die man dort findet. Daß zufällig hübsche Mädchen darunter sind, ist nicht meine Schuld, — obgleich ich nicht denyen kann, daß mit das sehr angenehm ist.

            Rosa. Besonders dann, wenn solch ein hübscher Flattersinn mit dem Mund voll Chewing Gum nach dem schönen Charley schmachtet.

            Oldham. Was kann ich helfen?! That’s my happy luck! Du weißt, Rosie, ich liebe Dich, Dich ganz allein, und ich gebe keinen Cent um all die Andern! — Wenn Du mir nur ein bischen Vertrauen schenken wolltest!

            Rosa. Ach ja doch, — ict hatte es ganz vergessen! Du sagtest mir, — ich glaub’, es war vor einem halben Jahr, — Du lieb­test mich und möchtest mich gerne zur Frau haben. — Und was habe ich Dir damals geantwortet?

            Oldham. Du sagtest, wenn ich eine Stelle errungen hätte, welche, — welche ein Ehepaar ernähren könne so — soll ich wieder anfragen. Jetzt, Rosie, bin ich soweit!

            Rosa. (Lächelnd.) Nun, und was bist Du jetzt?

            Oldham. Ich bin shop walker in Sweetberg’s Store und ziehe achthundert Dollars per annum.

            Rosa. Und was hast Du erspart?

            Oldham. Erspart? Erspart? — Well, eigentlich nicht viel. Du weißt ja, wenn man anständig gedressd gehen will. —

            Rosa. (Spöttisch.) Und Ausgaben für Schnipelschuhe, Stove Pipes, Bartwichse, Spazierstöcke, Uhrgehänge, Glaceehandschuhe u .s. w. hat, so behält man von solchem Einkommen nicht viel übrig, kann mir’s denken! Aber für die Tochter meines Vaters bist Du nichts. Laß Dir rathen, Caspar, — oder Charley, wenn Dir das lieber ist, — sieh, dort hinten flanirt Rebecca Sonnenstrahl, die schwärmt für Dich und ist ganz Dein Fall. Du machst auf einmal drei Menschen glücklich: Dich, Rebecca und — deren Vater, welch’ letzterer schon längst darnach trachtet, sie unter die Haube zu bringen und willens ist, wie er sagt: “Einiges zu thun vor seinen Schwiegersohn!” — Doch nun muß ich Dich verlassen, sei mir nicht böse, Charley (schalkhaft und etwas malitiös) ich meine es gut mit Dir! (Ab unter die Menge, wo sie Harold trifft.)

            Oldham. (Im Vordergrunde.) That settles it, I s’pose! — Aber warte nur, hochnasige Cousine, ich will es Dir schon heimzahlen. Der snob Harold hat Dein Herz gefangen, da ist natürlich der arme Cousin Charley nowhere. (Geht sinnend ein paar Schritte auf und ab.) Ich muß etwas thun, um mich zu rächen! — Aber wie? — Morgen ist election day, — ob sich da was thun ließe? — Wenn Thompson defeated würde, ist’s möglich daß er Einwendung gegen Harold’s Verbindung mit den Buehler’s machen wird. — Wenn aber Buehler defeated würde? Whew! Welche Wuth würde der kriegen! Alles würde er verfluchen und verdammen! — I’ve got it! Es ist da eine dunkle Geschichte in Buehler’s Vergangenheit. Ich muß mich einmal näher erkundigen. Das wäre ein Fressen für die Zeitungen. Buehler muß defeated werden! Aber careful, Charley. Buehler ist ein starker Kandidat — das muß vorsichtig gemacht werden! Er darf nicht ausfinden, daß Du gegen ihn gearbeitet hast, sonst ist alles played out. (Ab unter die Menge.)

 

(Klavierspiel, schon vorher unterbrochen, hört ganz auf.)

 

 

3. Scene.

Rosa, Harold; später Mädchen mit Loosen.

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            Harold. Rosie, my dear Rosie! Ich bin so glücklich, Dich zu sehen! Also Dein hartherziger Papa ist meiner Werbung um Dich noch immer entgegen? Er haßt mich vielleicht?

            Rosa. O nein, Harold. Er liebt blos Deine freien Umgangsmanieren nicht. Würdest Du ihm offen entgegentreten, hättest Du ihm Deine Aufwartung im Hause gemacht, und ihn nicht eher zu vermeiden gesucht, er dächte freundlicher von Dir. Statt dessen (zögernd) suchst Du mich Abends — heimlich — an der Hausthüre auf, ein Umstand, der ihn verstimmt und bewirkt, daß er Dich eben für einen amerikansichen — Windbeutel hält, (lächelnd) eine Sorte, für die wir Deutschamerikanker bekanntlich nicht schwärmen! — (Neckisch) Present company always excepted! (Als Harold Miene macht, sie für ihre Schelmerei zu umarmen) Halt! Du vergissest, daß wir an einem öffentlichen Orte sind! Wohin ist auf einmal Deine Yankeereserve? Du hast Dich ja merkwürdig germanisirt!

            Harold. O, Rosie!

            Rosa. Hast Du das vielleicht bei Deinen Studien in Heidleberg gelernt? Seinen Regungen gibt sich höchstens ein Deutscher hin, aber ein Abkömmling der Puritaner — For shame!

            Harold. Rosie, Du bist ein Göttermädel!

            Rosa. Sagte ich’s nicht? Deutsche Studentenphrase! — Uebrigens vergissest Du ganz, daß wir Feinde sind; politische Feinde! — Wir sind für “Reform”! Ihr dagegen für bie “blauen Gesetze,” für das “Puritanische”! Brrr! Harold, wie seid ihr so staubig und verschossen! (Geberde des Staubabwischens von Harold’s Schulter.)

            Harold. (Begeistert.) Rosie, Du bist wirklich eine kleine Hexe. Aber ’s ist wahr, die politischen Differenzen zwischen unseren Vätern sind ein schwerer Stein auf unserem Wege.

            Rosa. (Neckisch.) Nun, wenn wir Judge Thompson besiegt haben werden, wird sich der Vater in der Freudigkeit seines Erfolges schon geneigt zeigen.

            Harold. (Lachend.) Well, Rosie, Du scheinst sehr vertrauensvoll zu sein!

            Rosa. Verlaß Dich darauf: Gottfried Buehler wird Mayor dieser Stadt!

            Harold. (Lächelnd.) Na, wir werden ja sehen! Uebrigens weißt Du, Rosie, daß ich gestern Partner von Deinem Onkel Dorn geworden bin? Wenn Du jetzt durch die Main-Straße gehst, wirst Du in goldenen Lettern auf schwarzem Schild die Firma: “Dorn & Thompson” prangen sehen!

            Rosa. Was Du sagst! Nun das freut mich aber sehr! Ich habe den Onkel Dorn so lieb!

            Harold. (Begeistert.) Und Onkel Dorn arbeitet fleißig für die Wahl Deines Vaters!

            Rosa. Ich weiß es und freue mich umsomehr darüber, als er anfangs bemüht gewesen war, den Vater von der Kandidatur zurückzuhalten.

            Harold. Mr. Dorn ist ein Gentleman! Wie er ein tapferer Soldat im Kriege war, ist er ein loyaler Freund im Frieden!

            Rosa. Der Vater aber ist böse auf ihn, wer weiß aus welchem Grunde. Indessen glaube ich, daß er, wider seinen Willen, unter Onkel Dorns Einfluß steht!

            Harold. Da wäre vielleicht durch Dorns Hilfe etwas für unsere Sache zu erwirken?

            Rosa. Vielleicht; allein wenn alle Stränge reißen, bleibt uns immer noch die gute Mutter! Die hält die Liebe ihrer Tochter nicht für eine Geschmacksverirrung. (Neckisch.) Ich natürlich theile ihre Ansicht nicht ganz, indessen, —

            Harold. Rosie!

            (Ein schüchternes Mädchen in phantastischem Kostüm tritt zu Rosa und Harold, letzterem Loose anbietend.)

            Mädchen. Entschuldigen Sie, Mr. Thompson! Möchten Sie nicht auch ein Loos nehmen? Aeußerst billig — kostet nur 50 Cents!

            Harold. (Verbeugt sich.) Well, Miss, was ist’s, was Sie haben? Zeigen Sie mir das Kleinod und ich will sehen, ob sich’s be­zahlt, darauf au spekuliren?

            Mädchen. Sehen Sie, dort der elegante Kinderwagen wird verloost. (Schiebt den Wagen vor.) Wir nehmen nur zweihundert Loose; —

            Harold. Aber kleine Miß, Sie wissen ja, ich habe keinen Gebrauch für solch ein Fahrzeug!

            Mädchen. 0 well, Sie können ihn ja aufheben! —  (Pause.)

            Rosa. (Wendet sich verlegen weg.)

            Harold. (Mit Humor.) Well, auf diese Gefahr hin, können wir’s ja riskiren!

            (Rosa verlegen ab; desgleichen Harold, nachdem er das Loos bezahlt hat, gefolgt von dem Mädchen, das im Abgehen sein Geld zählt.)

 

 

4. Scene.

Dutch Pete, Balzer, Lutz, Knödel (auf der einen Seite der

Bühne.) Smith und Jones (auf der anderen Seite.)

Mrs. Mayer. Dann Buehler.

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            Dutch Pete. (Zu Balzer.) Also, Balzer, so mache mer’s! Mir thun, als ob mer kein’ dam Cent schpende wollte — you know?

            Balzer. Ich versteh’!

            Smith. (Zu Jones.) Watch Dutch Pete! I guess, they’re up to a scheme!

            Jones. Never mind, we’ll fix ’em.

            Dutch Pete. (Zu Balzer.) Of course, hie und da lasse mer en halbe Dahler fliege.

            Lutz. Nur daß es so aussieht, als ob mir thäte!

            Balzer. Gegen’s End, aber, wird ringepitscht!

            Dutch Pete. Also ufgepaßt!

            Balzer. All right!

            Knödel. Weiß schon!

            Lutz. Also druff!

            Alle. Ah, da kommt er! Guten Abend, Captain Buehler.

            (Buehler tritt auf. Allgemeines Händeschütteln. Buehler tritt an den Schalter zur Frau Präsidentin Mrs. Mayor. Diese verbeugt sich freundlich lächelnd.)

            Buehler. Guten Abend, boys, how are you? (Im Rednerton durch die Oeffnung.) Mrs. Mayer wünsch’ Ihne schön guten Abend! — Es ist ein herrliches Fest, was Sie da arrangirt habe und welches in der Geschichte deutscher Bestrebunge in Amerika ohne Gleiche dasteht!

            Mrs. Mayer. Mr. Buehler, Sie sind zu freundlich! Wir thun nur unsere Schuldigkeit! Wenn man eine so große, wichtige Sache im Auge hat —

            Buehler. Ja, die deutschamerikanische Landesuniversität? Sie ist kein leerer Wahn mehr, wie der Dichter so schön sagt, — sie lebt, sie is a fact! Deutsches Wissen, deutsche Kunst und das deutsche —   

            (Stimmen im Hintergrunde an der Bar a tempo: “Beer!”)

            (Buehler, ohne Unterbrechung fortfahrend) — Lied werden endlich eine Stätte finden auf fremdem Bode und All’ das werde mir nur Ihne zu verdanke habe und Ihrem herrliche Frauenverein. Möge er wachse und gedeihe! (Reicht ihr die Hand; dann in gewöhnlichem Gesprächstone) By the way, was macht Mr. Mayer? Hab ihn gestern on ’change net gesehe?

            Mrs. Mayer. Er fühlt nicht gut, Mr. Buehler. Er hat Kalt bekommen und muß das Zimmer hüten.

            Buehler. You don’t say! Thut mir leid! Grüße Sie ihn von mir. Hoffentlich wird er morge all right sein und sei Bürger­pflicht thun?

            Mrs. Mayer. Gewiß! Morgen muß er ’raus! um (verbindlich lächelnd) für “Buehler und Reform” zu stimmen!

            Buehler. Sehr schmeichlhaft! Grüße Sie Mr. Mayer von mir! Guten Abend! (tritt abseits und plaudert mit Freunden.)

            (Händeschütteln. “Buttonholing.” Buehler wird von Pete nach der Seite geführt. Letzterer flüstert ihm in’s Ohr. Buehler flüstert zurück, schiebt den Hut auf den Hinterkopf, dann wieder auf die Stirn, gestikulirt und scheint außerordentlich Wichtiges mit seinem “Button­holer” vorzuhaben. Inzwischen:)

            Knödel. (In den Schalter laut.) Two votes for Capt. Buehler!

            Smith. (Lauter.) Ten votes for Judge Thompson!

            Knödel. (Zu Balzer.) Der Judge und seine Leute strengen sich höllisch an!

            Balzer. ’s ist eigentlich dummes Zeug für diese Geschichte da unser gutes Geld auszugeben, der silberne Eispitcher ist ein großer Humbug.

            Knödel. Thut nichts! Es ist für einen guten Zweck und das Geld auch so nicht ’nausgeworfen, you know? (stößt Balzer mit einem deutlichen Augenzwinkern in die Rippen).

            Balzer. Versteh! Fat offices, he?! (Stockend) Well, das wäre schon alles gut, aber — weißt Du, — ich hab’ kein Geld mehr.  Lend me a dollar!

            Knödel. Habe mich ewe blank gestimmt (zieht zwei leere Taschen aus den Hosen.) Fünf Dollars habe ich mitgebracht, die sind futsch. Geh zum Captain; der hat für den guten Zweck noch immer was übrig. (Tritt beiseite.)

            (Balzer geht auf Buehler zu, welcher indessen Pete losgeworden ist. Er zieht mit Ostentation seine Börse und reicht Balzer einen $5.00 Schein, welchen dieser zum Stimmkasten trägt und dort ausgibt. Während dieses Vorganges sind Thompson’s Freunde aufgetreten. Nun laute Stimmenabgabe für beide Kandidaten.)

            Dutch Pete. Da komme se! Die gucke mer net aus, als ob sie viel Schputs hätte!

            Knödel. Den Crooke, den kenn’ ich. Gegen zehn Uhr kauf’ ich mir den Kerl!

            Balzer. Der kneipt gern Eins im Stille.

            Knödel. You bet. Und kann nichts vertragen.

            Lutz. That’s the ticket!

 

 

5. Scene.

Vorige. Thompson und Freunde. (Thompson und Buehler begegnen sich.)

————————

 

            Thompson. (Offen.) Freut mich Sie zu treffen, Mr. Buehler.

            Buehler. (Etwas verlegen.) Freut mich ebenfalls. (Räuspert sich.)

            Thompson. Was macht Mrs. Buehler und Familie?

            Buehler. Sehr wohl, danke. — Feines Wetter heute.

            Thompson. Sehr fein — etwas kalt meine ich —

            Mrs. Mayer. (Tritt aus dem Bureau heraus und reicht erst Thompson, dann Buehler die Hand; zu Thompson.) Ich heiße Sie im Namen des Schulvereins herzlich willkommen. Wollen die Herren sich nicht bei uns umblicken? Da ist zuvörderst dieses Service aus schwerem getriebenem Silber (führt die Herren vor die Gegenstände), um dessen Besitz, Sie, meine Herren, heute rivalisiren sollen —

            Thompson. (Nachdem er die Sachen angesehen.) Sehr schön! Fein gearbeitet.

            Mrs. Mayer. O dies ist echte Waare!

            Thompson. (Leichthin.) Gewiß, ich bin überzeugt!

            Mrs. Mayer. (Mit herabgedrückter Stimme.) Kostet dem Verein über 250 Dollars!

            (Thompson blickt Mrs. Mayer ungläubig an, während jetzt Buehler die Sachen oberflächlich mustert.)

            Buehler. (Verbindlich zu Mrs. Mayer.) Sehr kostbar! Dies Service muß ich habe! Mir fehlt grad so a Set zu mei’m Hausstand.

            Lutz. Zwei Stimmen für Mr. Buehler.

            Thompson. (Lächelnd zu Buehler.) Nun wir werden ja sehen! Denke meine Freunde werden es Ihnen nicht allzu leicht machen!

            Jones. Ten votes for Judge Thompson!

            Thompson. Sehen Sie, Herr Buehler!

            Mrs. Mayor. (Gleißnerisch.) Wie leid es mir thut, daß nicht beide Herren die glücklichen Gewinner sein können!

            Buehler. (Mit bedeutsamer Miene.) 0 ich bin polite genug dem Judge den Pitcher gewinne zu lasse. — Am End von der election und dem excitement wird ihm e frisch Glas Eiswasser sehr gut sein.

            Knödel. Pete, seh doch jetzt dem Judge sein verdutzt Gesicht!

            Dutch Pete. Net wahr! Ich hab’s Euch ja immer gesagt! Im Debattiren kann den Captain keiner biete! Noch net emal der Schurz!

            (Die Anderen lachen.)

            Thompson. (Schlau lächelnd.) Ich nehme die guten Wünsche meines Freundes Buehler dankbar an. Er braucht den ice-pitcher nicht. Am Salt-Lake soll es ohnehin schon so kalt sein, daß er weiterer Abkühlungsmittel nicht bedarf.

            Smith. How is that for high!

            Jones. Bully for the Judge!

            (Freunde beider Kandidaten, welche dieselben umstehen, lachen; am lautesten die Freunde Thompsons. Buehler unterdrückt merklich den Verdruß über Thompsons Ausfall.)

            Buehler. (Reicht Thompson die Hand.) Guter Witz! Wir werde aber schon sehe. (Lauernd.) Wolle Sie jetzt nicht Eins mittrinke, Judge? — ’s kann nit schade, wenn man auch vor der Wahl so a Kleins zum Abkühle nimmt.

            Thompson. (Etwas verlegen.) Danke Ihnen, ich trinke nie! Indessen, was die Sache sonst betrifft (zur Gesellschaft im Allge­meinen), meine Herren, trinken Sie fröhlich drauf zu und, wenn Sie wollen, auch auf meine Gesundheit! (Geht zu Harold.)

            Buehler. Come boys! Wir wolle Eins petze!

            (Harold ist aufgetreten. Die Männer, Freunde beider Kandidaten gehen mit Buehler nach dem Schanktisch.)

            Buehler. (Im Abgehen, hocherfreut zu den Andern.) Habt Ihr’s gesehe? — Er ist e verkappter Temperenzler, was ich immer gesagt hab! (im Rednerton) Meine Herren hütet Eure per­sönliche Freiheit und hinter der Scene) “give us the beer.”

            (Faßanschlagen und Gläserklappern.)

 

 

6. Scene.

Thompson, Harold. (Harold ist zu Thompson getreten.)

________

 

            Thompson. (Halblaut zu Harold.) Höre, Harold, ich will nicht, daß Du viel Geld für den Britannia-Pitcher hier ausgibst. Das ganze Zeug ist nicht 25 Dollars werth.

            Harold. Well, auch ich dachte nicht viel aufzuwenden, da ich ganz Deiner Ansicht bin, indessen drängt es mich aus Gründen privater Natur mich hier zu zeigen und —

            Thompson. Und gesehen zu werden, nicht wahr?

            Harold. Vater, Du weißt?

            Thompson. Gewiß weiß ich, daß Miß Buehler Dich ein wenig im Netz hat. Nun, ich kann das schon begreifen. Sie ist eine ange­nehme kleine Person, indessen der Captain ist ein ungeschliffener Bär und ich glaube er sollte geschlagen werden.

            Harold. Dann hast Du nichts gegen meine Werbung um Rosie ein­zuwenden?

            Thompson. Nein, nicht das Geringste. Ich erfahre, der Privatcharakter der Buehlers ist über allen Zweifel; auch sind sie wohlhabend und, soweit ich Miß Rosie kenne, glaube ich, daß Ihr im Ganzen als Eheleute gut fahren werdet.

            Harold. Ich danke Dir, Vater! — Sage mir aber mal, wie Stehen denn die Sachen? Ich habe die Politik in letzterer Zeit wenig verfolgt; sind die Aussichten gut?

            Thompson. (Lächelnd.) Wessen Aussichten?

            Harold. (Ebenfalls lächelnd.) Deine, natürlich.

            Thompson. Nun, kann ich wissen, ob Du nicht Buehlers Erfolg vorziehst?

            Harold. Nein, gewiß nicht; obgleich ich befürchte, wenn er ge­schlagen wird, wird er nie seine Einwilligung zu meiner Verbindung mit Rosie geben.

            Thompson. (Harold die Hand gebend.) Never mind, mache Dir hier­über vor der Hand keine Sorgen. Ich hoffe, alles wird noch gut gehen. (Lächelnd.) Wie ich in der Politik, so mußt Du eben in der Liebe Deine Chancen hinnehmen, wie sie fallen.

            (Beide ab.)

 

 

7. Scene

Buehler, dann Postbotin und Rosa

________

 

            Buehler. (Kommt aus dem Hintergrunde mit etwas geröthetem Gesicht.) Brrr! Election-Bier! Das Zeug hab’ ich jetzt aber bald dick! Der Mensch macht sich rein zum Gummischlauch. Und doch, — was soll mer mache? Als Volkscandidat muß mer mit dem Volk in seiner Weis’ verkehre!

            Mädchen. (Als Postbotin costümirt, tritt ihm entgegen.) Mr. Bueh­ler, ich hab ’n letter vor Ihne.

            Buehler. (Buehler wirft seine Cigarre, die er eben angebrannt, quer über die Bühne und will mit einer galanten Verbeugung den Brief ergreifen. Das Mädchen zieht denselben zurück. Indessen tritt Rosa auf.)

            Buehler. (Zur Botin.) Na, soll ich denn net?

            Mädchen. Hold on, please! Der Brief ist werth zwei Schilling, Captain (lächelnd die Hand hinstreckend) “C. O. D.”

            Buehler. Golly, das ist ’ne theure Post! Und cash muß mer auch noch bezahle? (Greift in die Tasche.) Ja, sind denn kei Schtämps drauf? (Gibt ihr das Geld.) Wahrhaftig, no! (Die Botin galant unter dem Kinn krauend.) Na warte Sie nur, bye and bye, wenn die Reformpartei dran kommt, wird die alte Postwirthschaft ausgecleaned, da werde dann nur noch so frische junge ladies, wie Sie sind, als letter-carriers angestellt.

            Mädchen. 0 that would be so nice!

            Rosa. (Bei Seite.) Sieh, sieh, wie liebenswürdig!

            Buehler. Und bei jeder “special delivery” werd’ ich dafür sorge, daß ihr Mädcher auch ein Kuß kriegt als Botelohn. Soll ich vielleicht den Anfang mache? (macht Miene die Botin zu küssen.)

            Mädchen. (Läuft kichernd ab.)

            Buehler. (Will selbstzufrieden lächelnd nach hinten, als er Rosa ansichtig wird.) Hallo, Rosie!

            Rosa. Guten Abend, Papa! Wie liebenswürdig Du gegen das junge Mädchen warst! Habe Dich eigentlich noch nie so gesehen!

            (Während folgender Scene bitten die Comite-Damen die Herren Balzer und Smith, als Repräsentanten beider Parteien, in die Office zum Zwecke des Stimmenzählens. Beide Herren setzen sich an den Tisch, den Stimmkasten zwischen sich, und zählen die Stimmen. Einer oder der andere, der noch stimmen will, wird abgewiesen. Von Zeit zu Zeit kommen einige an den Schalter und erkundigen sich.)

            Buehler. Na weißt Du, Rosie, ich bin nun einmal in der Geschichte drin und da muß mer mitmache, wie’s die Andern thun! (Nach der Richtung, in der die Postbotin abgegangen, deutend) Der ihr Vater, weißt Du, hat die 18. Ward in seiner Tasch und kann viel gege mich thun, wenn er will. Die wird die ganze Geschichte fein zu Haus erzähle und das zieht bei dem Alte! Doch laß mich jetzt endlich gucke, was in dem Brief drein steht — ’s wird wieder so e dumm Gedicht sein:

            “Roses red and violets blue,

            Sugar is sweet and so are you.”

            (Hat den Brief geöffnet, sein Blick verfinstert sich; erzürnt zu Rosa:) Rosa, Rosa!

            Rosa. Was ist’s Papa? — Sie haben Dir wohl wieder eins ver­setzt? So hinterrücks — nicht wahr? Diese elenden Politiker!

            Buehler. Ach was — guck mich e mal an! (Er sieht ihr fest in die Augen, dann halblaut) No, aus dene Auge gucke kein so yankee notions raus! — Die wenigstens sind noch gut deutsch!

            Rosa. Papa, was hast Du? Was steht in dem Brief? Laß mich ihn lesen.

            Buehler. (Gibt ihr den Brief.) Da!

            Rosa. (Liest.) “Honorable Godfrey Buehler! Dear Sir! — Gucke se scharf aus auf die Rosie und auf dem Judge Thompson sein Sohn. Die zwei haben sich heimlich engaged und denke noch heut Nacht zu elope! Ein Freind!”

            Rosa. (Lacht laut auf.)

            Buehler. Na, thu nur net so! Ich weiß schon längst, daß er Dir was vorschwärmt. Und verfängt er sich wirklich, dann ist er auch sicher net zu gut dazu Dir was vom Durchbrenne vorzufasele.

            Rosa. Du thust Harold sehr unrecht, Vater!

            Buehler. Gar net, gar net! Aber ich glaub, ’s ist besser, wenn die Deutsche bei de Deutsche bleibe und die Yankees bei de Yankees. Die blaublütige Kerle bilde sich doch ein, der amerikanische Herrgott hätt’ sie bei Plymouth Rock Anna 1600 und tuback aus eme extra Teig geschaffe. Dabei sind sie aber doch, grad wie mir Deutsche, mit allem Gute und Schlechte was an ihne war, eingewandert und sind reich und unverschämt geworde, grad wie mir auch.

            Rosa. Harold hat aber alle Achtung vor den Deutschen, Du weißt, er hat in Deutschland studirt, seine Erziehung vervollständigt und hat gelernt, das Gute was an uns ist, wohl zu schätzen.

            Buehler. Ja, schätze!

            Rosa. Uebrigens, weißt Du, daß er Partner vom Onkel geworden ist? Die Firma heißt jetzt: “Dorn & Thompson”!

            Buehler. (Etwas überrascht.) So? — Na, meinetwege, mir kann’s recht sein. Des sind zwei, die so recht zusamme passe — die sollte sich Beide vergolde lasse, damit se net verroste. Und Dein Onkel sollt sich in e vergitterte Office setze, daß ihm ja net die gemeine Welt, b’sonders die Politiker, so Einer wie Dein Vater zum Beispiel, zu nahe kommt und die reine Händ beschmutzt.

            Rosa. Wenn Du auf des Onkels politische Gesinnung anspielst, thust Du ihm Unrecht. Ich höre nur das höchste Lob über ihn aussprechen und sein Urtheil gilt viel in maßgebenden Kreisen.

            Buehler. Maßgebende Kreise? Wer sind die? He? Vielleicht die Idealiste wie Dein Onkel? Oder sind sie’s Volk, aus dem ich aufgewachse bin?

            Rosa. Aber Ideale sollte doch der Mensch haben.

            Buehler. Freilich soll er, aber net in der Politik, am allerwenigste in der amerikanische. Die ist praktisch und matter of fact! Mit dene ideale Faxe kommt Einer überhaupt net weit in Amerika. Da ist Dein Onkel der beste Beweis dafor. Als gewesener Student und Luftibus ist er mit einem ganze Bündel “Ideale” nach Amerika ausgewandert. Er konnt alle Sprache der alte und moderne Welt spreche, nur net Englisch und als bald darauf der letzte Cent ausgegebe war, ist er halt in Krieg gege de Süde mitgegange, wo se ihm de Arm kaput geschosse hawe.

            Rosa. (Begeistert.) Er hat sich heldenmäßig geschlagen.

            Buehler. Gewiß, des hat er, alle Respekt davor.

            Rosa. Und hat die Pension, die ihm sein dankbares Adoptivvaterland entrichtet, gut und nutzbringend angewandt.

            Buehler. Nutzbringend — gewiß! Für ihn allemal! Er ist ja Advokat geworde — (geringschätzend) a lawyer — Du weißt, ich hab’ den Onkel recht gern, wenn er auch gegenwärtig net schön an mir handelt. Aber er is a lawyer! Für die Sort’ hab’ ich nix übrig. Ich hab’ sie ausgefunde. Wenn ich noch emal was mit so einem Kerl zu thun hab’ und wenn mei Klag noch so sicher ist, und wenn sie sich um 5000 Dollars handelt, die ich gewinnen muß, so frag’ ich ’n erst, was die Fees sind, und wenn er sagt: 100 Dollars, sag ich zu ihm: Gebe Sie mir Ihre Fees und nehme Sie all das andere! — Da komm ich immer noch besser weg als umgekehrt! Aber wir wolle lieber jetzt abbreche. So viel ist sicher, der Harold muß viel Gutes thun, eh’ er mir gefällt, — und daß er Dich — mei Rosie — (sich zu ihr wendend) mei Herzblatt, habe sollt, das will mir nit in Kopf. Sieh, viel besser ist’s, Du machst Dich bei Zeiten von ihm los. — Ich glaub nu emal net an ihn. — Möchtest Du net vielleicht en Andern? Guck’, mir werde jetzt prominent — und alle Thüre stehe Dir offen! Da sind z. B. die Hallers und die Lorings Bube — alles feine flotte Kerls, mit viel Cash und in gute Verhältnisse.

            Rosa. Du wirst Harold noch kennen und schätzen lernen. Ueberlassen wir die Angelegenheit der Zukunft. Doch da kommen Deine Freunde. Es ist gut, daß ich gehe. Gute Nacht, Papa!

            (Die Unterhaltung ist schon früher durch Geräusch, welches immer lauter wird und in Hurrah und Hochrufe ausbricht, unterbrochen worden. Buehler hat das Service gewonnen. Seine Freunde treten auf ihn zu, klopfen ihm auf die Schulter und schütteln ihm die Hände, einige werfen ihre Hüte in die Höhe u. s. w. Während dem entfernt sich Rosa.)

 

 

8. Scene

Buehler, Balzer, Lutz, Pete, Präsidentin, Damen-Comite,

Knödel, Smith, Jones, Crooke, Cook, Sekretärin,

Damen vom Comite. Alle Herren und Damen.

________

 

            Balzer. Hurrah für Captain Buehler!

            Lutz. Three cheers for our new Mayor!

            Pete. (Auf Buehler zutretend.) By Golly, we beat him!

            Alle. Hurrah! Hurrah!

            (Die Fran Präsidentin und das Damen-Comite treten aus dem Bureau heraus und gehen auf Buehler zu.)

            Mrs. Mayer. Auch ich, Herr Buehler, erlaube mir im Namen dieser Damen (auf ihre Begleiterinnen deutend) Ihnen zu Ihrem Erfolge zu gratuliren und hoffe nur, daß dieser, in seiner Art kleine Sieg, nur der Vorläufer des größeren sein wird, den wir am morgigen Tage für Sie erwarten!

            Frau Sekretärin. (Zu einem Mitglied des Comite, beiseite.) Ganz dieselben Phrasen hatte sie sich für Judge Thompson auf Englisch einstudirt.

            Dame vom Comite. Bei 300 Dollars Reingewinn kommt’s auf einige kleine Höflichkeitslügen doch nicht an.

            Buehler. (Gravitätisch.) My dear ladies! Ich weiß nicht, wie ich Ihne vor die große Ehre, die Sie mir anthue, danke soll. Erwarte Sie in diesem feierliche Augenblick kein speech von mir, mei Herz ist zu voll (wischt sich das Auge aus), ich kann Ihne blos die Händ schäke und sage, daß ich, wenn ich erwählt sollt werde, Alles thun will, um die Interesse der nationale deutsch­amerikanische Landesuniversität zu vertrete.

            Mrs. Mayer. Ich danke Ihnen, Herr Buehler. Das Damen-Comite wird sich morgen das Vergnügen machen, Ihnen die Preisgegenstände in Ihrer Wohnung zu überreichen.

            Buehler. (Mit winkender Handgeberde.) Danke, danke! Much obliged, meine Damen!

            Pete. (Zu Mrs. Mayer. Dutch Pete soll die Verlegenheitsworte “ewwe,” und “ewwedo,” diskret in seine Rede einflicken.) Mrs. Präsidentin, ich möcht’, im Name von meinem Freund Captain Buehler frage, ob er net darf für seine Freund hier im Saluhn — wollt sage: Saal — Saal — a Keg Bier an­schlage lasse.

            Mrs. Mayer. (Sieht nach ihrer Uhr.) Wie Sie wünschen, meine Herren, es ist jetzt zehn Uhr, die Fair ist geschlossen und somit steht der Saal ganz zu Ihrer Verfügung. Gute Nacht, meine Herren!

            Alle. Guten Abend, meine Damen!

            (Die Damen ab.)

            (Dutch Pete besorgt nun das Arrangement der Klapptische, Bänke und Stühle quer vor dem Bureau. Ein Barkeeper, mit möglichst dummem Gesicht, Fettlocke bis auf die Nasenwurzel, über die Stirn geklebt, hemdärmelig, bringt ein Fäßchen Bier, stellt es auf den Tisch. Pete schlägt das Fäßchen gravitätisch und mit dem Be­wußtsein dieses Geschäft zu verstehen, an und beaufsichtigt den Barkeeper im Füllen und Vertheilen von Gläsern und Sandwiches.)

            Knödel. Donnerwetter, das hat aber Trubel gekostet!

            Balzer. Weniger Trubel als Geld!

            Dutch Pete. (Großspurig.) Never you mind, Balzer! Dein Geld war’s net und das Uebrige is none of your business!

            (Knödel lacht. Balzer macht ein dummes Gesicht.)

                                                                       

 

9. Scene

Vorige (ohne Damen), Reporter.

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            Lutz. Captain hier ist der Reporter vom “Volkswächter.” Er will Ihne interviewen! Mr. — a — I — forget your name?(Auf Buehler deutend) Captain Buehler!

            Buehler. (Lebhaft des Reporters Hand ergreifend.) O wir kenne uns schon lang, Mr. — na — na? Na, Sie wissen ja wie Sie heiße! Sie wolle wohl berichte? — He? Großartiger Erfolg für die Reformpartei! Buehler hat gesiegt mit 200 Majority. — Schreibe Sie nur Alles auf.

            Reporter. (Schreibt, indem er öfters nach dem Tisch mit Gläsern und Sandwiches schielt und im Lauf des Folgenden sich immer mehr in die Nähe des Tisches rückt.)

            Buehler. (Im Tone des Diktirens.) Trotz der riesigen Anstren­gungen der Freunde Judge Thompsons konnte der endliche Triumph — konnte der endliche Triumph — habe Sie das? — der guten Sache der Reformpartei, wie sie sich in Capt’n Buehler — e — e — embodied —

            Reporter. “Verkörpert” —

            Buehler. Meinetwege — verkörpert — konnte der Erfolg doch net gestoppt —

            Reporter. “Aufgehalten” —

            Buehler. (Etwas ungehalten.) Na ja, aufgehalte werde und der Preis des Abends mußte ihm von selber — 

            Reporter. (Mit leisem ironischen Lächeln.) “Selbstverständlich.”

            Buehler. (Stutzt ein wenig.) Wie meinen Sie das? Ich hoff’ net, daß Sie stichle wolle.

            Reporter. (Noch ironisch.) Wie sollt’ ich auch! — Ich meine nur der Preis des Abends mußte Ihnen selbstverständlich zufallen.

            Buehler. Ach so — Na, hab’ ich denn das net gesagt? — (Im Dirktirton) Also von selber zufallen. Es ist dies ein gutes Zeichen, daß das Resultat morgen am Poll gerade so ausfallen wird u. s. w. (Im Gesprächston) Nun, Sie wisse ja, wie man das so macht.

            Reporter. (Im abwesenden Ton, da er sich jetzt in der Nähe der Gläser befindet.) Gewiß, gewiß!

            Buehler. (Sieht endlich die Bewegung, kommt dem Reporter zuvor, reicht ihm das Glas. Dieser steckt hurtig Bleistift und Papiere ein und ergreift statt dessen einen Sandwich. Buehler stößt mit ihm an.)

            Reporter. (Nachdem er getrunken und während er ißt.) Wir werden das schon machen. Sie wissen ja, der “Volkswächter” unterstützt Sie in Allem!

            Pete. Na, wie is es, Capt’n, mit ’ner kleine speech?

            Buehler. (Gekitzelt.)  Ach laß Pete, ich bin gar net vorbereitet.

            Pete. Net prepared? Never mind, Du bist der beste Schtump­-Schpieker inseit 30 Meilen von hier. Ladies and — Wollt‘ sagen: Gentlemen! Ich move, daß wir uns jetzt setze und eins trinke mit unserm nächste Mayor Capt’n Godfrey Buehler!

            (Die Gesellschaft ruft: “Hurrah! You bet!” u. s. w. Alle setzen sich, Buehler an die Seite Pete’s in die Mitte hinter den Tisch und vor dem Bureau. Alles trinkt und ißt.)

            Pete. (Ergreift den Bierhammer und schlägt auf den Tisch, während er mit Rednergeberde und Amtsmiene aufsteht. — Pause mit Unruhe. — Er muß zwei bis drei Mal klopfen bevor Stille eintritt.)      Gentlemen! Mir habe heut Abend unter uns einen Mann, den ihr Alle kenne thut! — Ich brauch sein Name net zu sage, weil ihr auch mit ihm acquainted seid. Er is ’n Mann, der aus dem gemeine Volk aufgeraist worde is und wenn er auch alleweil well to do is, sei Abkunft doch net vergesse hat und mit einige Mann Händs schäkt und der nie auf seine alte Freunde zurückgeht, wenn sie da eins mit ihm trinke wolle! In alle nationale Frage is er gepostet und es lebt Keiner in Porcupine City, der ihn da drin biete kann! (Zu Buehler) Capt’n Godfrey Buehler, please address the meeting.

            Buehler. (Trinkt sein Glas leer und steht auf. Hurrah-Rufe, dann Pause.) Bürger und Freunde! . . . . 

            Jones, Smith und Andere. (Rufen.) Englisch, englisch!

            Balzer, Lutz und Andere. (Rufen.) No deutsch, deutsch!

            Buehler. (Macht Pause, dann:) Meine Herren, es ist mir ganz Worscht, ob ich Deutsch oder Englisch zu Ihne rede soll. Mr. Präsident lasse Sie, if you please, die Miethung über die Frage abstimme.

            Smith. Endlich! (Zu Jones) Das gibt einen Hauptspaß!

            Jones. (Zu Smith.) Sein Englisch ist schauderhaft — (laut) Englisch!

            Balzer. (Der es gehört.) Was der Capt’n kann kein Englisch? Das wer’n Se gleich sehe. Englisch!

            Andere. Deutsch!

            Balzer. Knö24del. No, jetzt grad englisch, um dene die Mäuler zu stoppe!

            Pete. Gentlemen — unser Candidat spricht Englisch und Deutsch — Eins mindestens ebe so gut wie das annere, und Ihr habt ewedo zu decide in welcher Sprach er rede soll. Alle die in favor of English sein, sage “Aye“ die dagege “No.”

            (Während der Rede Pete’s agitiren Balzer und Knödel unter Hinweis auf Jones Rede für “Englisch.” Einige stimmen “No” — die Meisten “Aye.”)

            Pete. Die Ayes habe’s. (Zu Buehler.) De Meeting wants you to shpeak English.

            Buehler. (Trinkt ein neugefülltes Glas aus und steht auf. Seine Rede wird vielfach durch Applaus unterbrochen.)

            Fellow Citizens and Friends! (Bravo! Ruhig!) Most of you here I knew since you was babies! I grew up among you, and while you learned your A B C, I studied the great principles of our free government! And while you grew up to be men and intelligent voters, I have come to master the secrets of true statesmanship and stand here ready to be the chosen representative of your wishes in the municipal chair of Porcupine City. (Applaus.)

            Our principles are clear! They are the principles of the great Reform Party, and I make them my own. Our platform is the grandest ever constructed! We strive to build up a great and solid nation, and yet, at the same time, we wish to preserve carefully the rights of each and every state, county and ward.

            We are for Tariff Reform and Protection of home in­dustry. The government must have its necessary income and we must secure high wages for the workingmen in the East and high prices for the grain of our farmers in the West. (Hurray!)

            We are also decidedly for Civil service reform. But what is Civil service reform? It is that every man, who is fitted to fill his position in the public service, should be allowed to hold it, — while he is efficient!

            But what did the Opposition Party do, when they came into power? They turned out of office every friend of reform and filled the fat places with incapable men of their own party!

            (Während dieser Rede wird immer fleißig eingeschenkt. Buehler trinkt ab und zu in den Pausen, er fängt schon an zu schwanken und es steigert sich sein Zustand im Verlauf der Rede zum Rausch.)

            What then, gentlemen, is our clear duty, when elected? We must put back — the good men, — that were ousted, and in that way show, by our own acts, that — we uphold the banner of true Civil service reform.

            And now I come to the most vital — question of the present day ! — the Temperance question. (Hurrah!) We all know that drunkenness is an evil! — But the Anglo-Americans must be taught. to drink — as well as we can! They should not be allowed to stop — us by legislation! The right of every human being — to drink — shall be denied by nobody! — And by that right — we will stand — and fight and if it takes — all summer! —

            (Rauschenender Beifall, händeklatschen, Gelächter, Bravos und Hurrahs. Der Vorhang fällt langsam, so daß er die Rede mit dem letzten Wort abschneidet.)

 

 

 

Zweiter Akt.

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1. Scene.

Zimmer in Buehlers Hause. Reiche, aber behagliche Ausstattung.

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            Dörthe (allein). (Schwingt den Flederwisch und staubt ab. Sie ist aufgeputzt und sieht schnippisch aus, ist aber nicht unschön.)

            Gott, was ist das heut vor ein excitement in dies Haus! Kein Augenblick nich Ruhe! (Wirft sich auf das Sopha.) Das up stairs und down stairs laufen! Und Miß Rosie thut mich onfahren, als ob ich heute nich meine Arbeit dhun thäte wie alle Dage! (Gähnt und reckt sich.) Na, bei die bin ich nich so, obgleich man sich in dissen Land doch Nichts nicht jef allen zu lassen braucht und mich die Miß Maier in der Dritten Straße schon oft einen halben Dahler mehr die Woche versprochen hat, wenn ich zu sie kommen wollte! — Aber die alte Buehlern das is so ’ne Rechte! — Die is en Satan! Der Alte is zwar auch ein Brummbär. Aber er is doch ganz anders als wenn die Olle mir anranzt, und dann gibt er mich doch rückwärts mal ’nen Quarter oder ’nen halben Dahler. — Vielleicht liebt er mir und die Olle will’s nicht zugeben? — Ist schon möglich! Die Männer von einigem Land lieben mir. (Betrachtet sich kokett im Spiegel.) Besonders der Barney McGinnis, mein Freund, der Hostler von Livingstones nebenan! Ich habe aber auch — eine preference vor die green Erin boys. Die sein lustig und spaßig und nehmen ihre Mädels aus zu Dances und Pic-Nics! — Wie tappich dagegen is doch der Krischan, unser Kutscher! — Schrecklich! Der liebt mir blos! Was hab ich da davon? Heirathen? Das kann ich alle Dage! Das ist nichts vor mir! — Fun will ich haben. Doch dabei fällt mich bei, daß mich mein Barney heute Abend will in’s Dime Museum nehmen und da soll ich ihm ein paar Cigarren mitbringen. Wo hat sie denn der Alte stehen? (Sucht Buehlers Cigarrenkästchen.) Oh, da sein sie! (Nimmt eine Handvoll und steckt sie in die Tasche.) Merken thut er’s heute doch nich. Der is in eine Aufregung von wegen die Wahl und in die letzte Zeit sein hier Cigarren bei die Dausende aus und eingegangen.

 

 

2. Scene.

Dörthe, Christian.

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            Christian. (An der Thüre.) Guten Abend, Dorothee!

            Dörthe. Miss Dorothy heiß’ ich vor Ihnen!

            Christian. (Freundlich.) Na ja, recht gern! Miss Dorothy, wo ischt denn der Herr? I such en schon d’ ganz Zeit.

            Dörthe. Wie geht denn die Leckschon bis jetzt? Wer is ahead?

            Christian. (Verständnißlos.) Was saget Se?

            Dörthe. Döskopp! Wie’s mit die Wahl geht?!

            Christian. Ja, dös woiß i net. I han gar nix verstande. Des ver­fluacht Englisch will mer gar net in de Schädel!

            Dörthe. Ja, ja, Sie sein schrecklich grün! Da is der Barney nebenan ein anderer Kerl, der is nur drei Dage länger in dies Land und is auf die ganze PoIitik gepostet. Vorhin noch sagte er mich, Judge Thompson sei sicher elected.

            Christian. Natürlich schwätzt der so, weil er’s au grad so han will! Die verdammte eirische Koge sind immer gege die Deutsche, so viel han i schon raus, wenn i au grün bin. Und besonders der Kerle da nebendra —

            Dörthe. Christian, nehmen Sie sich Ihnen in Acht!

            Christian. (Aufgebracht.) Ach was, in Acht nehme! Wenn mir emal der Kerl über de Weg lauft, so schlag i em sei Himmel­fahrtsnas’ aus sei’m Schnapsgsicht raus, daß er — 

            Dörthe. (Halb gebietend, halb ängstlich.) Das werden Sie nich dhun — 

            Christian. Net? — Ha! — Aber g’wiß thu i’s!

            Dörthe. (Plötzlich liebenswürdig werdend und ihn dutzend.) Ach, Krischan, wer wird denn gleich so excited werden? Du bist mistaken über den Barney. Krischan, mich zu lieb — thu ihm nix — er thut Dich auch nix!

            (Sie tritt auf ihn zu und streichelt seine Wange.)

            Nich hauen, Krischan!

            Christian. Noi, noi, — (für sich) vor der Hand net!

 

 

3. Scene.

Vorige. Buehler (schnell eintretend).

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            (Dörthe und Christian fahren auseinander.)

            Buehler. (Aufgeregt, erst Dörthe, dann Christian forschend ansehend.) Wo sind die Nachmittagszeitunge? Noch keine da? (Sich über den Kopf fahrend, für sich.) Herr Gott, was brummt mir mein Kopf.

            Dörthe. Ja, Mr. Buehler, ich glaub sie sein in die Küche. Ich hole sie. (Ab.)

            Buehler. Herr Gott, was brummt mir mein Schädel. Na, Chri­stian, was gibt’s? Hast Du alles besorgt? (Legt seinen Hut auf den Fenstertisch.)

            Christian. Ja wohl, Mischter Buehler, Älles! I hab de Mischter Tschäckson, Mischter Fläherti, die beide Mischter Kleinschmied und wie die andere Älle heißet nach em Pohl gefahre und sie habet jeber g’schtimmt.

            Dörthe. (Kommt mit den Zeitungen zurück.)

            Buehler. (Läuft auf sie zu.) Geb her den Wisch! (Blickt Dörthe stumm an, dreht sich ab und blickt wieder hin. Dann für sich, indem er ihr ein Geldstück seitwärts hinreicht.) Das ist ein impertinentes Frauenzimmer. (Dörthe und Christian, verliebt thuend, ab.)

 

 

4. Scene.

 

Buehler (allein, Dörthe nachsehend.)

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            Je sauberer die Visasch, desto unverschämter die Zung. Aber, o Gott, mein Kopf, mein Kopf! Ich bin nur neugierig, was der “Volkswächter” über mich zu sage hat. E’ speech hab’ ich gehalte, das weiß ich. — Es schreit noch immer “Hurrah” in meinem Gehirn und mei Auge sehn immer noch dem Pete sei roth Nas’ und sein Bierhammer, sonst ist alles Nacht und Nebel. (Er hat die Zeitung hin und her geblättert.) Aha, da steht’s mit große headings. (Liest.) “Großer Erfolg! 500 Dollars Einnahme! Die Existenz der Deutschamerikanischen Landesuniversität gesichert auf alle Zeit!” — Hm, hm! (Liest) “Gottfried Buehler, unser Kandidat für das Mayorsamt siegt im Popularitätskampfe mit Judge Thompson! — Letz­terer entpuppt sich endlich als Vollblut-Temperenzler!” — Ja, dem hab’ ich sein Wassersimpel-Orden mit dem blaue Band endlich angehängt! — Aber weiter (liest): “In den eleganten Räumen” —  (überspringend) “Erfolgreiche Fair” — “zum Ab­schluß gebracht” — “viel Prominente waren zugegen” — Na ja! — “Herr Maier, Frau Maier, Herr Pfannenschmidt, die Fräu­lein Birnstiel” u. s. w. Man kennt sie ja, — ’s sind immer dieselbe! — “Schöne Kostüme” — “reizend ausgesehen” — “reiche und zweckmäßige Gewinne” — “Frau Häppchen gewann ein Bicycle neuester Konstruktion.” “Dr. Mischler eine Wurstmaschie und das berühmte Crazy Quilt, bestehend aus 5700 kleinen Fleckchen Zeug und an dem 17 Hände 7 Wochen ge­arbeitet hatten, gewann unser wohlbekannter radikaler Agitator Sturmvogel, u. s. w. Man munkelt auch von stattgehabter Verlobung — Herr Streber, Insurance Agent, mit Fräulein Kalliope Kraxel, Tochter des reichen Soapfat-Fabrikanten Bonifaz Kraxel” — Aber das Alles interessirt doch mich nicht!? — “Die liebenswürdige Frau Präsidentin” — Natürlich! — “Die Hauptanziehungskraft indessen, des Abends” — aha, jetzt kommt’s! “Die Hauptanziehungskraft des Abends aber war der freundschaftliche Wetteifer zwischen den Verehrern der beiden Mayorscandidaten Captain Buehler und Judge Thompson um das öfter im ‘Volkswächter’ beregte silberne Eiswasserservice. Der Kampf war höchst lebhaft, obgleich von vornherein zu erkennen war, wer der glückliche Gewinner sein würde. Es ergab sich denn auch eine Majorität von 356 Stimmen für Captain Buehler, welches Resultat mit frenetischem Beifall auf­genommen wurde. Die beiden Candidaten waren anwesend und begrüßten die Freunde. Besonders zeigte sich wieder Herr Buehler als der coulante, liebenswürdige Herr der er ist, indem er Freunde und Bekannte auf das feinste regalirte und seinen guten Takt damit bekundete, seinen Gegner Judge Thompson ebenfalls einzuladen. Dieser bekannte jedoch sofort Farbe und schlug die Einladung aus. Hierdurch ist es nun endlich klar zu Tage getreten, was der ‘Volkswächter’ zuerst und wiederholt behauptet hat: Judge Thompson ist ein Temperenzler vom reinsten Wasser.” — Das hab’ ich aber fein gemänädscht! — “Am Schlusse des Festes wurde noch eine kleine informelle Zusammenkunft der Freunde des Herrn Buehler be­schlossen, bei welcher Gelegenheit derselbe sich in geistvoller” — (er reibt sich die Stirn) “und umfassender Weise” — (Pause) “über die Tagesfragen rednerisch verbreitete. Besonderes Ge­wicht legte der Redner auf die große und nur zu selten betonte Wichtigkeit der persönlichen Freiheit. In anschaulicher Weise behandelte Redner diese Frage und erntete denn auch begeisterten Beifall seitens der Versammlung, welche sich zu später Stunde trennte.” — Ja, aber wann, wann? Herr Gott, mein Kopf, mein Kopf! — “Heute nun findet die Wahl statt und wieder wird es sich bei dieser Gelegenheit zeigen, ob der Deutsche sich seiner Mission hier in diesem Lande bewußt ist und willens ist für Reform, Fortschritt und persönliche Freiheit, wie diese Postulate in Captain Buehler vertreten sind, zu wirken und zu stimmen, oder ob er dem Muckerthum und der Wassersimpelei die Hand bieten wird zur schließlichen Unterdrückung aller jener Eigenthümlichkeiten, die der Deutsche mit der Muttermilch” — Milch ist gut — “eingesogen und die zu verpflan­zen und zu verbreiten er eigentlich in’s Land der Freiheit gekommen ist. Darum ergeht unsere Mahnung an unsere deut­schen Mitbürger: Stimmt Alle wie ein Mann für Captain Buehler als Mayor unserer schönen Porcupine City und Ihr werdet dem deutschen Wesen, der deutschen Kunst, dem deutschen Lied und deutscher Gemüthtichkeit einen unvergeßlichen Dienst geleistet haben. — AIso ein für allemal: Für Mayor Captain Godfrey Buehler!” — Ja: Hurrah für Captain Buehler! Der “Volkswächter” ist doch ein Mordspäper!

            (Steht auf. Man hört Dampfpfeifen draußen. Auf der Kaminuhr schlägt es 6 Uhr.)

            Jetzt liegt da drin in dene Boxe der Wahrspruch des souveräne Volks! Eigentlich war’s a helle Freud’ zu sehe, wie sie heut gelaufe sin mit ihre Stimmzettelcher und dann noch dabei zu denke, daß auf ungefähr der Hälfte: “Godfrey Bueh­ler” gedruckt steht! — Auf der Hälft!? — Am End gar auf der kleinere Hälft!? — Ach was, so zu denke bei dem Hurrah und der Begeisterung, mit der ich an jedem Poll empfange worde bin! ’s is ja ganz unmöglich! Wenn mich die Gauner net drum beschummele, bin ich der nächste Mayor von Porcupine City, so gewiß als ich —

 

5. Scene.

Buehler. Dorn. Später Dörthe.

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            Dorn. Guten Abend, Gottfried!

            Buehler. (Sich umblickend, dann mürrisch.) Guten Abend! (Für sich.) Das ist schon e schlechts Zeiche, wenn der kommt.

            Dorn. Du hier, heute, zu dieser Stunde? (Sieht auf die Uhr.) Ich sollte denken, Du wärst im Hauptquartier und lauertest auf Nachrichten.

            Buehler. Soll ich zwei Stunde dahinsitze und mich von ere Crowd naseweiser Bube mitleidig anglotze lasse?

            Dorn. Allerdings, es ist noch zu früh und ich kann mir Deine Lage vorstellen; sie ist gegenwärtig nicht die allergemüthlichste.

            Buehler. (Eifrig.) Wie so?

            Dorn. Du hast es ja selbst angedeutet: man weiß noch nicht, ob man Derjenige welcher ist, oder ob es der Andere ist!

            Buehler. Ach so!

            Dorn. Du erlaubst wohl, daß ich mir eine Cigarre anbrenne. (Reicht ihm sein Etui. Buehler weist ab.)  Du kannst diese getrost riskiren, es sind keine Election-Cigarren.

            Buehler. Mag jetzt net. (Für sich.) Hab’ schon mei Theil verplotze müsse heut und hab’ noch e ganze Buschel in der Tasch. (Zeigt zwei mit Cigarren voll gespickte Westentaschen.) Du hast natürlich Dein redlich Theil für den gewisse — “Andern” ge­than, net wahr?

            Dorn. Das glaubst Du? Und doch habe ich mich öffentlich zu dem gegenwärtigen Programm Deiner Partei bekannt.

            Buehler. Na, bei euch Fenzreiter ist alles möglich! Ihr wart’t immer ab bis die Parteie ihre Platform gemacht und ihre Can­didate ernannt habe, nachher nehmt ihr alles unter’n Vergrößerungsglas und wenn ihr irgendwo e Staubfleckche ent­deckt, setzt ihr euch wie Kinder in e Eck und schreit: Ich thu net mit, ich thu net mit! — Ihr sagt nie, was ihr wollt, ihr wißt nur, was ihr net wollt, — und das kaum! Drum geht ihr auch net in die Caucusse, weil ihr dort Farb bekenne und euere opinion angebe müßt!

            Dorn. (Lacht.) Du schilderst uns “Unabhängige” ganz vortreff­lich, aber Du irrst, wenn Du sagst, ich besuche die Vorwahlen nicht, ich war ja sogar bei derjenigen die Dich nominirte.

            Buehler. Die trotz Deiner Proteste mich nominirt hat, sollt’st Du sagen —

            Dorn. Das ist nun auch nicht ganz richtig. Ich habe im Stillen versucht, Deine Nomination aus guten Gründen zu verhindern, aber ich habe nicht, wie Du vielleicht annimmst, laut oder auffällig dagegen protestirt.

            Buehler. (Springt auf.) Also de wirepuller hast Du gespielt! — Steht so was auch im reine Evangelium der Mugwumps?

            Dorn. Wenn Du das “wirepullen” nennst, ja! Bei einem An­deren, den ich nicht so hochschätzte wie Dich, würde ich laut gesprochen und auch danach gehandelt haben.

            Buehler. Deiner Ansicht nach bin ich also ein solch verwerflicher Candidat, daß nur der Umstand, daß wir verschwägert sind, Dich abgehalte hat, mich öffentlich zu blamire? (Setzt sich wieder.)

            Dorn. Da gehst Du nun zu weit, lieber Gottfried. Im Gegentheil, ich versuchte Dich vor einer Blamage zu retten. Ich schätze Deine Ehrbarkeit, und liebe Dich um Deiner ausgezeichneten Eigenschaften willen, aber um einer städtischen Verwal­tung vorzustehen, dazu gehören hervorragende administrative Fähigkeiten, welche zu entwickeln Dein früheres Geschäft Dir wenig Gelegenheit gewährt hat.

            Buehler. Well?

            Dorn. Der Hauptbeweggrund meiner Opposition aber lag in der Ueberzeugung, daß Dich lediglich der Ehrgeiz und die Langeweile treibt und nach einem Gespräch mit Marie bin ich zu dem Entschluß gekommen, ich thue ihr und vielleicht am Ende auch Dir einen Gefallen wenn ich handelte wie ich that, um die Fa­milie vor einer immerhin möglichen Blamage zu behüten.

            Buehler. So! Na Großdank! daß auch Du für mich Vorsehung spiele wollt’st; bei meiner Frau nimmt mich das weniger Wun­der, die hat schon vom erste Tag unserer Verheirathung an, die Vorsehung für mich gespielt und hat noch immer Vergnüge an dem “Job.” — Ich denk, ich weiß aber, was Dich bei der Sach treibt. Du bist nämlich auch einer von dene Deutsche, die lieber en Yankee oder gar en Eirische, und wär er nach so e großer Lump, im Amt sehe als en Deutsche.

            Dorn. Es ist mir nicht unlieb daß Du dem Gespräch diese Wen­dung gibst und so will ich Dir denn sagen daß Du zum Theil recht hast: ich sebe lieber einen unfähigen Eingeborenen im Amte als einen unfähigen Deutschen. Das Deutschthum so zahlreich es ist, hat verhältnißmäßig wenige Vertreter in der Politik die ihm Ehre machen, und weil ich stolz bin auf meine Abstammung und jedes verächtliche Wort, das von nativistischer Seite über die Deutschen in Amerika gesprochen wird, mir in’s Herz schneidet, geht mein Wirken dahin, solche Landsleute, die sich nicht durch hervorragende Eigenschaften auszeichnen, von einer Laufbahn, in der sie nur zum Gespött unserer Gegner werden, abzuhalten.

            Buehler. (Unter den vorstehenden Sätzen etwas reduzirt, lauernd.) Und als die richtige Fortsetzung von Deine philosophische Gedanke hast Du auch heut natürlich mit aller Macht gege mich gearbeit’!

            Dorn. Nein, lieber Gottfried. Siehst Du, in dem Punkt nun war ich inconsequent. Im Gegentheil! Wenn Du geschlagen bist, ist es nicht meine Schuld. Ich habe den ganzen Tag, in meiner Weise, für Dich gewirkt. Wenn Du gewählt bist und dabei glücklich wirst, soll’s mich als Schwager nur freuen, aber (be­deutsam) ich fürchte, Du wirst es nicht.

            Buehler. He, wie, was? Was werd’ ich net? Net gewählt?

            Dorn. Nein, nicht glücklich, selbst wenn Du gewählt würdest.

            Buehler. How so?

            Dorn. Ahnst Du nichts in Deiner schwarzen Seele?

            Buehler. Ahnen? (Für sich.) Bei bem Kopp! (Laut.) No! Als ob Mayor zu sein, Ein nothwendigerweis unglücklich mache müßt.

            Dorn. Das nicht! Aber die Götter verfolgen mit Neid der Sterblichen Glück! — Weißt Du denn, warum ich hier bin?

            Buehler. No! Du kommst ja sonst auch ungerufe.

            Dorn. Danke! Diesmal komm ich auf Bestellung.

            Buehler. Net von mir!

            Dorn. Aber von Deiner Frau! (Zieht ein Zeitungsblatt aus der Tasche.) Da lies und erstarre!

            Buehler. (Vernichtet.) Was? (Dreht die Zeitung nach allen Seiten um.) Wo is des her? (Liest.)Evening Light.” A Nigger in the Fence!The Reform Candidate in a new light!Is Capt. Buehler a Bigamist?Brings a young woman and child to this country and then sets them adrift! — Des is net wahr! — Oder vielmehr es is wahr. — Aber wie kommt des da enein?

            Dorn. Ja, liest Du denn keine Zeitungen?

            Buehler. Den Wisch da von der Muckerpartei soll ich auch noch lese? In dene Yankeepäpers les’ ich überhaupt nur die headings. Wenn ich die gelese hab, weiß ich schon viel zu viel.

            Dorn. Es scheint fast so in diesem Augenblick. Also die Geschichte ist wahr? Dann wehe Dir, Gottfried! Deine Frau weiß ebenfalls davon und hat mich mit Thränen gebeten, die Sache zu untersuchen.

            Buehler. God allmighty, steh mir bei!

            Dorn. Nun bin ich wohl gezwungen, ihr die Unglücksmähr zu überbringen.

            Buehler. (Eifrig.) Ach was, Unglücksmähr! Wahr ist alles, — nur die Schlußfolgerung net. An dene Insinuatione, die da in dem Wisch enthalte sind, bin ich so unschuldig wie das neugeborene Baby auf dem Schiff. (Setzt sich.) Herr Gott, Gu­stav, Du kennst mich doch und meine Frau sollt mich erst recht kenne! Die Geschichte war nämlich so: Wie ich vor 26 Jahre mit meinem Vater im Zwischendeck ’rüber gekomme bin, war auch ein armes junges Frauenzimmer auf dem Schiff. Unter­wegs gab sie einem kleine Mädche das Lebe. Die jung Mutter war trostlos und ohne Hilf. Natürlich hab’ ich mich ihrer ange­nomme — ohne Wissen von meim Vater, der streng war und nichts von dem “schlechte Ding,” wie er sie genannt, höre wollt. Ich aber war jung und das Weib hübsch und leidend, — genug um ’en l9jährige Bursch zu rühre. So habe ich sie denn hinter dem Rücke von meim Vater und mit Hilfe vom Schiffs­arzt gepflegt und ihr, wie wir in New York angekomme sind, eine anständige Unterkunft verschafft. Später als wir nach dem Westen weiter gereist sind, hab’ ich ihr noch ein Theil meiner schmale Baarschaft zurückgelasse, hab’ ihr Adieu ge­sagt und seitdem hab’ ich weder von ihr noch von ihrem Kindche gehört. — Aber die Zeitungskerle, die habe’s ’raus. — Jetzt habe sie mich schon als vorzeitige Vater ausgeschriee, als treu­lose Liebhaber und was dergleiche Schändlichkeite mehr sind. Wenn das net bald aufhört, so glaub’ ich’s fast selber!

            Dorn. Hast Du Beweise?

            Buehler. Wie soll ich Beweise habe? Das Mädche ist verschwunde und — vielleicht sammt ihrem Kind im Elend untergegange.

            Dorn. Wie ist aber die Zeitung auf diese Begebenheit gekommen?

            Buehler. Das weiß der Deifel! — Es scheint, als ob die opposition in der Politik immer allerlei G’schichte auf Lager halte thät, von welche sie dann je nachdem sie auf ein Candidate passe, eins auf’s Gerathwohl loslasse — und weiß der Kukuk wie’s zu­geht, Etwas paßt fast jedes Mal.

            Dorn. Hm, hm! — Das ist schlimm, sehr schlimm!

            Buehler. (Besorgt.) Also mein Frau glaubt das dumme Zeug — und natürlich Du auch? — Ihr zwei seid ja immer einig, wenn’s gege mich geht.

            Dorn. Nein, Gottfried, ich glaube Dir gern und wenn Marie eben nicht ein Weib wäre, würde sie Dir glauben müssen, wie ich, denn Du siehst wahrhaftig nicht aus, wie ein Don Juan.

            Buehler. (Steht auf.)  Na nu?

            Dorn. Ich meine, wie ein ehrloser Don Juan! Aber das Unglück ist nun mal angerichtet, jetzt heißt es ihm die Stirne bieten. — Beweise für Deine Unschuld, sagst Du, sind nicht zu erlangen, Du mußt daher stramm ableugnen. Ich denke bei Deinem ehr­lichen Gesicht sollte Dir das doch gelingen.

            Buehler. (Kraut sich in den Haaren.) Na ja ich will’s versuche, aber ich glaub’ net an den Erfolg, denn sieh, die Marie hat ein scharfes Aug’ und sieht mir an der Nasenspitz an, wenn ich ihr was vormache will. Dazu kommt noch, daß ich e schlecht’s Gedächtniß hab’ und anstatt, daß ich die alte Lüg’ zweimal hersag,’ erzähl’ ich dann immer wieder e neue, oder ich werd’ beim zweite Mal wirklich bei der Wahrheit ertappt!

            Dorn. (Leise spottend.) Gottfried! Das ist aber sehr fatal! Weißt Du, daß Du damit nur wieder schlagend beweist, daß Du zum Mayor nicht taugst.

            (Dörthe öffnet die Mittelthür. Rüstet ben Tisch für das Abendbrot und zündet die Lichter an. Dann wieder ab.)

            Dorn. Doch wir wollen jetzt abbrechen. Euer Mädchen richtet den Tisch für das Abendessen. Du erlaubst wohl, daß ich mithalte? Wenigstens hat mich Deine Frau eingeladen.

            Buehler. (Aufathmend.) Gustav, Du bist mir ein schrecklicher Mensch! Jedesmal wenn Du kommst, bringst Du mir entweder etwas Schlimmes in’s Haus, quälst mich oder machst Dich lustig über mich. Es drückt mich wie eine Last, bis Du fort bist, und bist Du fort, dann fehlt mir was. Die G’schicht’ mit meiner Alte ist mir ’n wenig in die Glieder gefahre. Du mußt bei mir bleibe. So lang Du da bist, wird Marie net davon an­fange. Morgen, wenn ich Mayor bin — 

            Dorn. Und wenn Du’s nicht wirst?

            Buehler. Dann —

            Dorn. Still — Deine Frau.

 

 

6. Scene.

Vorige. Frau Buehler, später Rosa und Fritz. Dörthe.

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            Frau Buehler. (Sieht ihren Gatten etwas von der Seite an, dann zu Dorn.) Guten Abend, Gustav! Freut mich, daß Du Wort gehalten?

            Dorn. Du weißt, daß mich Deine Kartoffelpuffer noch immer herbeilocken.

            Frau Buehler. (Zu Buehler.) Nun Gottfried, wie steht’s?

            Buehler. (Aengstlich.) Was? Wie meinst Du?

            Frau Buehler. (Etwas verdutzt.) Ich meine die Wahl.

            Buehler. (Vorkommend.) Ach so! Die Wahl; nu — Manche sage eso — Andere wieder eso — Andere wieder sage gar nix.

            Dorn. (Leise zu ihm, während Frau Buehler am Speisetisch etwas zurecht rückt.) Aber, Gottfried, tritt Deiner Frau doch, so lange Du kannst, männlich entgegen.

            Frau Buehler. (Hat etwas am Speisetisch zurecht gerichtet.) Ich sollte denken, Du hättest Nachricht. Die Wahl ist doch vorüber.

            Buehler. (Sich ermannend.) Wie kann ich Nachricht habe? Jetzt ist’s siebe Uhr und erst um halb sechs sind die Polls geschlosse worde! E Frau, die beinah hier gebore sein könnt, weiß noch nicht, daß das Stimmezähle Zeit nimmt. Ja, wenn man das mit Maschine mache könnt!

            Dorn. (Leise zu Buehler.) Bravo, so ist’s recht!

            Buehler. Die zähle vielleicht noch morge früh, wenn die Wahl close ist! Bei der Tilden-Wahl habe sie drei Monat gezählt und ich soll jetzt schon wisse, ob ich Mayor bin oder net!

            Frau Buehler. Na entschuldige nur, wenn mir eure Wahlfinessen nicht so geläufig sind. Du hast Dich auch früher blutwenig darum ge­kümmert. Seitdem Du aber Deine Küferei an eine Aktien-­Gesellschaft verkauft hast und als Rentier nicht immer weißt, was Du mit Deiner Zeit anfangen sollst, bist Du auf politische Abwege gerathen.

            Buehler. Abwege? Natürlich! Man meint, Du und der Gustav hättet e Stockcompagnie gegründet, um mit verstärktem Kapital gegen mich zu arbeite. Ich weiß schon, was jetzt noch kommt. “Braver Mensch, durch Glück und Fleiß zu Wohlstand gelangt, hat sich in’n Kopf gesetzt, er sei zu was Besserem gebore. Mäßige Geistesgabe, die sich nicht vermehrt habe u. s. w., u. s. w.” — Das kenn ich Alles auswendig! Das hat mir Dei Partner da schon oft und viel schöner und ausführlicher beigebracht. Aber ihr irrt Euch alle Zwei und ich werd’ Euch den Gefalle net thue defeated zu werde, dafür habe ich gesorgt —

            Frau Buehler. Du irrst, wenn Du glaubst, ich wünsche Deine Niederlage. Mir ist aber mein alter einfacher Gottfried viel lieber, wie der Honorable Godfrey Buehler auf dem Mayors-Stuhle — das glaube mir.

            Dorn. (Zu Buehler.) Jetzt paß auf, das ist der erste Schuß — in’s Blaue vorerst, — natürlich.

            Buehler. Well, ich sage Dir, Marie, so Mayor zu sein ist net bitter! Ist’s denn net schön: “His Honor” titulirt zu werde, (zärtlich werdend) und Du Alte als Mrs. Mayor an meiner Seit!

            Frau Buehler. Das ist nichts für mich, Gottfried!

            Buehler. Die Frau hat aber auch nicht die Spur von ambition! Ich versteh’s gar net!

            Frau Buehler. Und ich nicht, daß Du so blind bist. Glaubst Du denn daß man wirklich und ernstlich an Dich als Kandidat gedacht hätte, wenn sie einen andern gefunden hätten, der —

            Buehler. Dümmer gewesen wäre als ich. Sag’s nur; ich bin jetzt bald an Alles gewöhnt!

            (Dörthe trägt das Abendessen auf und geht dann wieder ab.)

            Frau Buehler. (Rose und Fritz treten auf.) Die Kinder kommen, wir wollen uns lieber zu Tische setzen.

            Dorn. (Zu Buehler.) Die Hauptaktion ist auf eine andere Zeit verschoben worden.

            Buehler. (Zu Dorn ungeduldig.) Ach, mach mir was weiß! Ich wett’, sie weiß nix von der ganze G’schicht.

            Dorn. Die kommt schon, wart nur!

 

 

7. Scene.

Vorige. Fritz, Rose.

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            Rose. Guten Abend, Papa! Guten Abend, Onkel!

            Fritz. How are you, uncle — Good evening, Pa!

            (Alle Setzten sich zu Tisch. Dorn neben Buehler.)

            Rose. (Zu Buehler.) Nun, Papa, wie ist die Wahl verlaufen?

            Buehler. (Mürrisch.) Kann ich’s wisse? (Für sich.) Ich sitze wie auf Kohle!

            Fritz. Never mind, Pa, you’re all right! (Zu Dorn.)  I know for sure, Pa’s elected.

            Frau Buehler. Fritz!

            Buehler. So! Und wie hast Du denn das erfahren?

            Fritz. I wanted to bet with Tommy Higgins, he is the smartest boy in the class, and he wouldn’t bet me.

            Frau Buehler. Wenn Du schon reden mußt, so spricht doch Deutsch.

            Fritz. Mama, so was kann man nicht Deutsch sagen. (Zu Dorn.) I wanted to bet him even, but he wouldn’t do it, so I bet him five to one, that Pa’ll be elected.

            Dorn. Und was habt ihr denn gewettet?

            Fritz. I bet my nickel against his penny.

            (Alle lachen.)

            Frau Buehler. Aber Fritz, was seh ich? Du hast ja ein blaues Auge!

            Rose. ’s ist ja wahr, eben sah ich’s auch.

            Fritz. O that’s nothing!The other fellow got two black eyes and a bloody nose besides.

            Buehler. (Will ärgerlich werden.) Also Du hast wieder mal gefighted, Lausbub! Ich möcht’ Dir noch e Ohrfeig dazu gebe. (Macht eine entsprechende Bewegung.)

            (Rosa unb Frau Buehler wehren ab.)

            Frau Buehler. Laß ihn doch, er wird angegriffen worden sein.

            Rose. Die Jungens in seiner Schule sind so abscheulich.

            Fritz. (Zu Rose.) But I can handle them, you bet! I won’t let them call Pa any names.

            Buehler. (Aufmerksam.) So? Na, was haben sie denn von mir gesagt?

            Fritz. (Zu Buehler.) Jimmy Hadley called you a — (zögernd, dann leiser) dam’ Dutchman.

            (Alle außer Buehler und Fritz lachen.)

            Buehler. (Aergerlich.) Und was hast Du geantwortet?

            Fritz. I called him a blasted Knownothing and said, says I, that we were as good as him, any day, says I, and a darn sight better too, and then be called me a liar, and I said, says I, you are another, an — and — and so the fight commenced. But I malled him so he won’t call me names again, you just bet your boots!

            (Frau Buehler, Dorn und Rosa lächeln verstohlen.)

            Buehler. (Kann seine Befriedigung nicht unterdrücken.) Na, eigentlich hast Du Recht gehabt, aber wenn Du in Deim Lebe Jeden durchhaue willst, der Dich “Dutchman” schimpft, da kriegst Du mehr zu thun als Du händle kannst. — (Sieht auf die Uhr.) ’s ist jetzt halb acht, mach Dich an Deine Aufgabe und dann geh zu Bett.

            (Fritz setzt sich an einen Tisch auf der anderen Seite des Zimmers und schlägt seine Bücher auf.)

            Rose. Papa, ich gratulire Dir auch zu Deinem Erfolge.

            Buehler. (Schnell.) Erfolg! Was für ein Erfolg?

            Rose. Nun, Du hast doch den Preis auf der Schulfair gewonnen.

            Buehler. Ach so!

            Dorn. Das soll ja ein kolossaler Erfolg gewesen sein.

            Buehler. (Für sich.) Gott soll’s wisse, theuer genug war er!

            Frau Buehler. Ja, ich hörte es schon gestern Abend von Rosa (zögernd und bedeutsam). Von Dir hab ich’s nicht gut erfahren können, denn Du warst heute ja nirgends zu sehen — und gestern Abend so wenig mittheilsam.

            Buehler. Ja, ich war halt müd — (geht ein paar Mal auf und ab.)

            Frau Buehler. Kein Wunder, es war auch schon spät, oder vielmehr schon recht früh, Du kamst zu gleicher Zeit mit dem Milchmann.

            Dorn. Da kann ich mir die Stunde ungefähr denken.

            Buehler. Na ja, ich mußte doch meine Freunde, die sich für mich angestrengt hatte, en Bische treate und da ist’s wahrscheinlich spät geworde! (Reibt sich über den Magen.) Die G’schicht ist mer auch net gut bekomme, der verdammte kalte Lunch steckt mir noch im Mage!

            Frau Buehler. (Ironisch.) Natürlich — der Lunch!

            Buehler. (Sie copirend.) Natürlich — der Lunch!

            Fritz. Papa, your bile is out of order.

            Buehler. (Aergerlich.) Bile! Bile!? Was ist denn das wieder für ein neues Wort?

            Frau Buehler. Fritz, was soll das?

            Dorn. (Erklärend.) Deine Galle sei außer Ordnung.

            Buehler. Meine Galle ist in der allerschönste Verfassung und ich hab augenblicklich genug davon, um Dir — (Steht auf und holt mit der Hand aus.)

            Fritz. (Zurückweichend.) Listen, Pa! Here my Physiology-book says: (liest) The acids of the stomach should be absorbed by the alkali of the bile!

            (Rosa und Frau Buehler lachen. Die Anderen stehen nach und nach auf; Frau Buehler klingelt. Dörthe kommt und es wird abgedeckt.)

            Buehler. (Hat den Satz nicht begriffen, blickt ärgerlich von Einem zum Andern.) Was ist das nu wieder für e neus Studium, das sie euch da eintrommele! (Zu Fritz) Gieb her das Buch! (Liest)First Book in Physiology.” “The human body and how to take care of it. — Eating and what comes of it. Effects of Alcohol upon the body.” (Wirft Fritz das Buch ärgerlich vor die Füße.) Natürlich, auch wieder so e verkappter Temperenz-Traktat! Marsch aus meine Auge mit sammt Deiner — Deiner physiology und laß mich’s net wieder sehe!

            Fritz. (Packt seine Bücher zusammen, zu Rosie.) Rosie, please come and help me with my examples?

            Rose. Yes, wait a minute. (Zu Buehler.) Ich habe manches Gute in dem Buche gefunden, Papa. Eine vernünftige Gesundheitslehre schadet doch gewiß nichts.

            Buehler. Ach was, alles dummes Zeug! Mich und Dei Mutter habe sie auch net gelehrt was wir net esse und net trinke sollte und sind doch immer gesund und munter gewese! — Aber so geht’s hier mit dene Schule! — Dich hab’ ich in die deutsche Akademie geschickt, in e Musterschul, und Du hast die ganz Weltg’schicht von d Grieche und de römische Kaiser an auswendig gelernt; sprichst deutsch, perfekt — wie ein Grünhorn, und ’s Englische — ungefähr ebenso. — Und den Bub’, den schick’ ich in die “Public School,” wie sich das für ein’ angehende amerikanische Bürger schickt und der studirt im zwölfte Jahr Anatomie und G’sundheitslehr wie e Doktor, schpellt wie ein Papagei und lernt so gut Englisch, daß er auf e deutsche Frag’ immer e englische Antwort gibt! ’s ist doch zu verrückt! Man weiß schon gar net mehr, was man mit dene Kinner anfange soll!

            (Rosa und Fritz ab.)

            Frau Buehler. Du scheinst Dich ja sehr gegen die Mäßigkeitslehre zu ereifern.

            Buehler. Herr Gott, Marie! Laß mich jetzt in Ruh mit Deine Sticheleie! — Nu ja, meinetwege, ich hab’ gestern en g’hörige Affe gehabt und hab’ folglich heut ’n Katztenjammer! Aber jetzt muß ich gehe und endlich einmal nachsehe, wie die Returns hereikomme.

            Dorn. Ich gehe mit Dir, Gottfried!

            Buehler. (Bestrebt fortzugehen.) Gewiß, komm nur, es ist hohe Zeit.

            Frau Buehler. (Zu Dorn.) Wieviel Uhr ist’s denn?

            Dorn. Nicht ganz halb acht.

            Frau Buehler. (Zu Buehler.) Ich glaube doch vorhin verstanden zu haben, daß vor acht Uhr nichts zu erfahren sei.

            Buehler. (Etwas verdutzt.) Eigentlich ja! Ich habe aber dem Pete versproche, ihn um siebe Uhr im headquarter zu treffe.

            Frau Buehler. Nun dann ist es also doch zu spät für die Verabredung; wir wär’s, wenn Du, Gustav, vorausgingst, und Gottfried entschuldigtest?

            Dorn. Wie Du meinst, — aber —

            Buehler. Aber warum soll ich denn noch hier bleibe?

            Frau Buehler. (Leise zu Buehler.) Das sollst Du gleich erfahren. Bleibe! (Zu Dorn.) Adje, Gustav!

            Dorn. (Zu Buehler, komisch.) Leb wohl, Gottfried! Es war so schön gemännedscht, doch es hat nicht sollen sein! (Zu Frau Buehler.) Adje Marie!

            (Nach Buehler hin noch eine Geberde des Strammbleibens machend, ab.) 

 

 

8. Scene.

Buehler. Frau Buehler.

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            Frau Buehler. (Nach einer kleinen Pause.) Ich habe Gustav absichtlich zum Vorausgehen bewogen, da ich Dir etwas zu sagen habe.

            Buehler. (Athmet schwer auf.) Wie Du willst, Marie!

            Frau Buehler. (Setzt sich ins Sopha.) Laß uns ein wenig plaudern.

            Buehler. Wenn Dir mei Unterhaltung heut Spaß macht, meinetwege. (Halb ängstlich.) Aber, — von was denn?

            Frau Buehler. Nun — von der Vergangenheit.

            Buehler. (Für sich.) Jetzt kommt’s.

            Frau Buehler. Weißt Du auch, Gottfried, daß heute unser Hochzeitstag ist?

            Buehler. (Erleichtert.) ’s ist ja wahr — das hatt’ ich wahrhaftig ganz vergesse. (Setzt sich zu ihr.)

            Frau Buehler. Ist auch nicht zu verwundern. Du mußt jetzt an andere Dinge denken.

            Buehler. (Zerstreut.) Na, der Mensch muß doch emal vernünftig werde und —

            Frau Buehler. Vernünftig?

            Buehler. Na, ich mein der Mensch muß endlich begreife, daß er net zum Faullenze geboren ist, sondern sich nützlich mache soll für die Menschheit.

            Frau Buehler. So! — Nun ich meine, Gottfried, damals warst Du ein nützlicheres Mitglied der menschlichen Gesellschaft, als heut.

            Buehler. (Zerstreut.) Wann? Damals?

            Frau Buehler. Vor zwanzig Jahren!

            Buehler. Ach ja so — damals an unserm Hochzeitstag! — Ja, ja!

            Frau Buehler. (Scheltend.) Gottfried! Ich meine, als Du noch Küfer warst in der großen Brauerei, gegenüber dem kleinen Putzladen, den ich führte. — Ich sehe Dich heute noch wie in jenen Tagen, als Du in Kappe und Schurzfell frisch und flott den Rundgang um die großen Fässer machtest und Dein Liedchen sangst.

            Buehler. (Jetzt ebenfalls von der Erinnerung angeregt.) Ja, ich weiß! Und wenn ich dann als emal gestoppt hab während der Arbeit und hinüber geguckt und Du über Deine Blume raus zu mir herüber geblinzelt hast, da bin ich erst recht wieder in Trab gekomme und hab drauf los gerappelt, daß es e Freud war.

            Frau Buehler. Der Nachbarschaft war das lustige Gehämmer ein Greuel, aber mir, Gottfried, mir war es die schönste Musik.

            Buehler. Ja, das waren schöne Zeiten! (Citirt.) “Die schöne Zeit der ersten Liebe!”

            Frau Buehler. Der jungen Liebe heißt es.

            Buehler. Na ja, die junge und die erste. Du warst doch mei erste und mei — mei einzige Lieb!

            Frau Buehler. (Forschend.) Die Allererste?

            Buehler. Na, natürlich.

            Frau Buehler. Hast Du wirklich nie eine andere vor mir geliebt, Gottfried?

            Buehler. Ich will Dir sage, Marie, e vernünftige Frau soll ihrem Mann kei so Frage stelle, besonders net nach zwanzig Jahr.

            Frau Buehler. Also ist es wahr! O Gottfried, ich bin betrogen, hintergangen.

            Buehler. (Für sich.) Na, jetzt kann’s losgehe, das andere war nur so a Preambel. (Laut.) Betroge! Hintergange! How so? (Dorns Miene und Worte nachahmend.) Seh ich aus wie ein Don Juan? (Steht auf.)

            Frau Buehler. (Zieht einen Zeitungsausschnitt heraus und gibt ihn Buehler.) Da lies und vertheidige Dich, wenn Du kannst.

            Buehler. (Mit einem Seitenblick nach dem Blatt.) Ach, kenn ich schon! Dummes Zeitungsgequatsch!

            Frau Buehler. Also Du kanntest es und hast es nicht der Mühe werth gehalten mir eine Aufklärung zu geben?

            Buehler. No! Weil ich Dich für vernünftig genug gehalte hab, net Alles zu glaube was man über Deinen Mann in der Zeitung schreibt.

            Frau Buehler. (Freudiger.) Also dies ist Alles erlogen, nicht wahr?

            Buehler. Gewiß, ja — of course — das heißt, ’s Meiste davon, oder vielmehr das Wenigste —

            Frau Buehler. Also wahr — wirklich wahr. O meine Ahnung!

            Buehler. Was für eine Ahnung? Marie, ich sag Dir, ich bin vollständig unschuldig! Bedenk doch — ich — ich war erst neunzehn Jahre alt.

            Frau Buehler. (Langsam.) Nun?

            Buehler. (Verdutzt.) Nun? (Pause.) Und — und ich war in Be­gleitung von meim Vater, der, wie Du weißt, ein höchst strenger Mann war.

            Frau Buehler. Und wenn! Die gestrengen Väter haben oft die lockersten Söhne.

            Buehler. Ja, ich habe aber das Mädchen doch erst auf dem Schiff kenne gelernt.

            Frau Buehler. Beweise!

            Buehler. (Stammelnd.) Sie kam aus Pommern und ich aus Hanau! —

            Frau Buehler. (Spöttisch.) Soll das ein Beweis sein?

            Buehler. (Böse werdend.) Herr Gott im Himmel! Frau laß mich jetzt in Friede mit der Inquisition! Das ist vielleicht kein Lawyers-Beweis, aber wer wie Du einem ehrliche Gesicht kein Glaube schenke will, der würde selbst, wenn ich den Verführer — Pätow glaub ich, hieß der Schuft, — verbeischaffe könnt, noch fortfahre mich im Verdacht zu habe. Da hört doch die Gemüthlichkeit auf.

            (Sinkt erschöpft in den Stuhl, in Folge der krampfhaften Anstrenungen lebhaft athmend und ängstlich auf seine Frau schauend.)

            Frau Buehler. (Aufstehend, gemessen.) Gewiß, die Gemüthlichkeit und noch weit mehr hat zwischen uns aufgehört. Ich sehe es genau, ich bin die betrogenste aller Frauen! Wir Zwei sind geschiedene Leute, Gottfried!

            Buehler. Geschieden?

            Frau Buehler. Ja, geschieden.

            Buehler. (Aufspringend.) Aber, Marie! Liebe Marie!

            (Draußen hört man erst lesie, dann lauter “Hurrah” schreien.)

            Frau Buehler. Genug davon für heute. Jetzt magst Du zusehen ob Du vielleicht Mayor geworden bist und kannst die befleckte Stirne dem Volke zeigen, das einen Mann erwählt, der das Glück sei­ner Familie und seiner Frau zerstört hatte, als er sie nach nicht einmal kannte. (Mit Würde ab.) 

 

 

9. Scene.

Buehler (allein). Dann Oldham.

(Draußen lautes “Hurrah.”)

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            Buehler. (Geht langsam nach rechts zum Fenster.) Ob das Hurrah wohl meiner Frau gilt?

            (Will abgehen, trifft unter der Thür Oldham.)

            Oldham. Uncle, hast Du etwas Zeit für mich?

            Buehler. (Ungeduldig.) Du, Charley, was willst Du?

            Oldham. I see — Du willst fort — Ist unnöthig, Du bist schon so gut wie erwählt.

            Buehler. No, was Du sagst! Hurrah! Jetzt kann noch Alles gut werde! (Eilig ab.) 

 

 

10. Scene.

Oldham (allein).

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            (Ruft ihm nach.) Uncle, uncle! Er hört nicht. Wollte meine Werbung um Rosie vorbringen, bevor er ausfindet, daß er geboten ist. Defeated ist der gute uncle, das ist sicher. Wenn meine split tickets ihn nicht defeated haben, so hat’s mein kleiner Sensations-Trick gethan mit der Liebesgeschichte. Auch hinter diesem wird er die Thompsons vermuthen und sie zur Hölle wünschen. I’ll get there if luck will have it! (Ab.)

            (Hinter der Scene: “Hurrah! Hurrah! Hurrah!”)

 

 

11. Scene.

Frau Buehler, dann Christian.

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            Frau Buehler. Ob die Entscheidung schon erfolgt ist? Draußen rufen sie voll Jubel und Freude.

            (Setzt sich an den Tisch, wo Fritz seine Aufgaben machte, und nimmt ihr Nähzeug zur Hand.)

            Wenn Gottfried doch Mayor geworden? Freuen sollte es mich für ihn, wenngleich unser Glück über diese unselige Wahl zu Grunde gegangen ist. O um den Leichtsinn der Männer! Sollte man diesem Mann mit dem ehrliclhen Gesicht zutrauen, daß ein so schwarzer Fleck auf seiner Vergangenheit haftet? Wir Frauen find immer ihre erste wahrhaftige Liebe, aber geliebt haben sie andere doch vor uns! (Seufzt.)

            Christian. (An der Thür.) Madame, hent Se e bisle Zeit für mi ibrig?

            Frau Buehler. Ah Christian, sind Sie’s? Wissen Sie wohl, wem das Hurrah galt?

            Christian. I? — Jo, des woiß i net! So a Gebrüll verstandet nur de Wilde in Afrika!

            Frau Buehler. Nun, Christian, was kann ich für Sie thun?

            Christian. Sehe Se, wisse Se, Frau Buehler, I — i — möcht gern heirathe und —

            Frau Buehler. (Lächelnd.) Heirathen? Und wen denn?

            Christian. Na, die — die Dorothee!

            Frau Buehler. Dörthe? Ja, das ist ja was ganz Neues!

            Christian. Ja, mir au.

            Frau Buehler. Ja und lieben Sie sie denn?

            Christian. Ei freili! Sie soll ja mei Frau werde!

            Fran Buehler. Und ist Dörthe auch Ihnen gut?

            Christian. Ja, sehe Se, Frau Buehler, sell weiß i ebe net; aber se hat gsagt, wenn i nemme fluache thät und verspreche wollt, dem Barney nix zu thue, so könnt ma net wisse, was noch werde könnt — 

            Frau Buehler. Kennen Sie denn ihre Familie, ihre Angehörigen näher?

            Christian. I weiß nix, als daß sie Dorothea Pätow heißt und e Waisekind ischt, wie i au.

            Frau Buehler. (Stutzend, für sich.) Pätow, Pätow? Das ist ja derselbe Name, den mein Mann — (zu Christian.) Und hat sie Ihnen noch nie von ihren Eltern erzählt?

            Christian. Sie sagt, sie sei uf ’eme Schiff bei der Ueberfahrt gebore worde und ihr Mütterle sei bald nachdem sie gelandet wäret, im Elend gstorbe, — ihrn Vatter hätt se net kennt, hat sie gsagt.

            Fran Buehler. (Für sich, aufgeregt.) Diese Person in meinem Haus! O Gottfried, Gottfried, was werd’ ich noch erleben.

            (Zu Christian, nachdem sie ihre Aufregung niedergekämpft hat.)

            Sie wollen meinen Rath, Christian, und ich will Ihnen denselben geben. Sie verdienen eine brave Frau, aber Dörthe ist nichts für Sie! Sie ist eine — eine leichtsinnige Person, die ich sofort entlassen werde! Da haben Sie meinen Rath und nun thun Sie was Sie für das Beste halten.

            Christian. (Nach einigem Nachdenken.) I merk so nach und nach immer mehr, wie recht Sie habet. I glaub wirklich, die Dorothee meint’s net ganz ehrlich mit mer und so will i se halt in Gottesname fahre lasse. Gott vergelt’s Ihne, Adje! (Für sich im Abgehen.) Aber jetzt kriegt der Barney erst recht seine Prügel und das feschte! Ei Genugthuung muß der Mensch doch han! (Ab.)

            (Wiederholtes Johlen auf der Straße.)

            Frau Buehler (allein). Na, das hat mir gerade noch gefehlt. O Gottfried, Gott­fried, was hast Du mir angethan!

                                   

 

12. Scene.

Frau Buehler, Rosa. Dann Dörthe, Harold.

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            Rosa. Mama ich fürchte, Papa ist geschlagen.

            Frau Buehler. Nun vielleicht ist es besser so!

            Rosa. (Am Fenster rechts.) Du hast gut reden, Mama. Aber was wird aus Harold und mir? Es ist abscheulich, daß sich dieser Wahlkampf selbst in die Herzensangelegenheiten der Kinder drängt.

            Frau Buehler. (Für sich.) Ja sogar in die der Alten.

            (Dörthe tritt auf.)

            Rosa. Dörthe, Du? Was gibt’s?! Hast Du Berichte über die Wahl?

            Dörthe. Ich? No, Miss Rosie!

            Fran Buehler. Was willst Du?

            Dörthe. Hier die Karte!

            (Rosa nimmt die Karte und liest dieselbe, indem sie zu ihrer Mutter geht.)

            Rosa. (Verlegen, dann) Harold! Laß ihn eintreten, Mama, und höre ihn!

            Frau Buehler. Nun meinetwegen! (Zu Dörthe.) Mr. Thompson ist willkommen! (Zu Dörthe.) Wenn Mr. Thompson fort ist, kommen Sie sofort hierher, ich muß Sie sprechen.

            Dörthe. Schon gut! (Geht, kehrt sich aber noch einmal um.) Madame, eben fällt mich bei, ich habe doch was gehört. Vorhin lief Einer drunten vorbei, der schrie immerzu: 386 Majority! Hurrah! Hurrah!

            Fran Buehler. Rosa. (Zugleich.) Für wen?

            Dörthe. Vor Jochen Snut, Constabler, in die 19. Ward.

            (Geht zur Thür und läßt Harold ein, dann ab.)

            Fran Buehler. (Enttäuscht.) Abscheuliches Ding!

            Rosa. (Zugleich.) Ah!

            (Harold tritt ein.)

            Rosa. (Auf ihn zugehend.) Guten Abend, Harold!

            Harold. (Reicht Rosa vorübergehend die Hand und nickt ihr freundlich zu, geht dann zu Frau Buehler verbeugt sich vor ihr. Diese reicht ihm ihre Hand, welche er sichtlich erfreut ergeift. Rosa tritt zurück.) Guten Abend, Frau Buehler. Sehr freundlich von Ih­nen, daß Sie mich in dieser Stunde empfangen.

            Frau Buehler. Nicht doch, Mr. Thompson; warum sollte ich nicht. Sie sind mir stets willkommen!

            Harold. Nun, ich dachte der Sohn eines wahrscheinlich geschlagenen Mannes würde in der Stunde der Freude vielleicht nur störend sein.

            Fran Buehler. Wie? Sie haben Nachricht?

            Rosa. Ist’s entschieden?

            Harold. Noch nicht; aber alle Anzeichen deuten auf den Erfolg des Herrn Buehler hin.

            Frau Buehler. Mr. Thompson, Sie sehen mich in einer unangenehmen Lage. Der Sieg meines Gatten sollte mich freuen; allein ich habe dennoch meine ernstlichen Bedenken! Es wäre entschieden besser für Herrn Buehler wenn er geschlagen würde, oder (mit einem Seufzer) wenn er nie Kandidat geworden wäre.

            Harold. Ihr Gatte repräsentirt die gegenwärtige Strömung in der Politik und dieselbe ist nicht ganz zu verwerfen, während anderseits mein Vater ein gewisses veraltetes conservatives Element vertritt, das, trotz seiner Ehrbarkeit, durch sein unduldsames Wesen nicht mehr in unsere Zeit hineinpaßt.

            Frau Buehler. Ich fühle, daß Sie mir etwas Freundliches sagen wollen, und ich danke Ihnen für Ihre gute Absicht; aber lassen wir das lieber, Mr. Thompson, und kommen wir auf etwas Anderes.

            Rosa. Mama, Du wirst mich vielleicht entschuldigen, ich möchte dem Vater noch einen kleinen Imbiß herrichten.

            Frau Buehler. Ja gewiß, Rosa; gehe nur, Du bist entschuldigt!

            Rosa. (Verbeugt sich hinter dem Rücken der Mutter etwas komisch gegen Harold und wirft diesem, ehe sie das Zimmer verläßt, eine Kußhand zu. Ab durch die Mittelthür.)

            Frau Buehler. (Harold zum Sitzen einladend.) Nun, Mr. Thompson, sagen Sie mir, was Sie zu uns führt.

            Harold. Frau Buehler, Sie wissen daß ich Ihre Tochter liebe und daß ich gerne Ihre Zustimmung erhalten möchte zu unserer Verlobung. Ich weiß, Herr Buehler ist mir nicht sehr gewogen. Ich komme daher zu Ihnen, mit Rosies Erlaubniß, um Sie zu bitten, Fürsprache bei Herrn Buehler für unsere Verbindung einzulegen.

            Frau Buehler. Nun, nach Allem was ich von Ihnen gehört habe, bin ich nicht abgeneigt Ihre Bewerbung um Rosas Hand zu begünsti­gen. Ich weiß, Rosa liebt Sie und ich kenne erstere zu genau, um nicht zu wissen daß sie ihre Neigung keinem Unwürdigen entgegenbringen wird.

            Harold. (Eifrig.) Dank, Dank! Und wenn Sie mich erst näher kennen gelernt haben, so werden auch Sie eine solche Meinung von mir bekommen. Vielleicht wird auch Herr Buehler sein ungünstiges Urtheil über mich ändern.

            Frau Buehler. Das wollen wir hoffen! Bis jetzt aber haben Sie eher Alles vermieden, die Ansicht die er über Sie hat, umzugestalten.

            Harold. Ich fühle meinen Fehler, nachdem Rosie mich darauf aufmerksam gemacht hat.

            Frau Buehler. Also Rosie hat Sie schon in die Kur genommen?

            Harold. O ja und wie!

            Frau Buehler. Fürchten Sie sich nicht ein wenig vor ihrer schulmeisterlichen Art?

            Harold. O nein, durchaus nicht! Ich habe schon in so vielem empfunden, wie recht sie hat und wie verkehrt manche unserer anglo-amerikanischen Anschauungen sind. Dann ist sie ja auch nicht einseitig und lobt das Gute auch auf unserer Seite.

            Frau Buehler. Gewiß! (Nachdenklich, dann etwas lauernd.) Wissen Sie, daß Sie sich heute hätten am Besten die Gunst meines Gatten erringen können?

            Harold. Und wie?

            Fran Buehler. Wenn Sie sich ein wenig seiner Sache angenommen hätten, vielleicht nur so im Stillen!

            Harold. (Nach einer kleinen Pause, verlegen.)

            Frau Buehler, ich verstehe Sie nicht ganz; wenn ich aber recht bin, so würde das meiner Ansicht nach einen Vertrauensbruch in sich schließen, meinem Vater gegenüber. Das wäre ich nicht imstande gewesen, wenn ich auch mit den Ansichten meines Vaters nicht ganz übereinstimme. Oder verstand ich Sie falsch?

            Frau Buehler. (Lächelnd.) Nun, Mr. Thompson, Sie haben mich recht verstanden und ich freue mich Ihrer ehrenhaften Ansichten. Verzeihen Sie einer Frau, die in ihrem langen Leben in diesem Lande einen schlimmen Fehler in dem Gesammtcharkter Ihrer Stammesbrüder gefunden hat: seine Ansicht zuweilen nur um des Vortheils willen zu verschweigen. Ich kann alles verzeihen nur die Unwahrheit nicht.

            Harold. Frau Buehler, ich habe durchaus keinen Grund Ihnen ob des kleinen Kreuzverhörs böse zu sein. Aber nun danke ich Ihnen für Ihre Freundlichkeit mich als Sohn aufnehmen zu wollen und ich überlasse, wie gesagt, getrost mein Anliegen Ihrer Sorge in der sicheren Hoffnung, Sie werden Alles zu meinen und Rosas Gunsten lenken. Leben Sie wohl, Frau Buehler. (Er erhebt sich und will gehen.)

            Frau Buehler. Harold, — so darf ich Sie jetzt wohl nennen?

            Harold. (Eifrig.) O ich bitte darum!

            Frau Buehler. Kommen Sie morgen früh, falls Herr Buehler siegen sollte, wieder her. Vielleicht läßt sich dann schon etwas für Ihre Sache thun.

            Harold. Wenn aber mein Vater gewählt ist?

            Frau Buehler. Dann warten Sie noch einige Tage.

            Harold. Gut! Wie Sie befehlen! Ich baue jetzt ganz allein auf Sie! Guten Abend! (Ab.)

            Frau Buehler. Rosa hat sich nicht getäuscht. Harold ist ein Ehrenmann im vollen Sinne des Wortes. Sie wird glücklich mit ihm werden — glücklicher wie ihre Mutter — o Gottfried!

 

 

13. Scene.

Frau Buehler, Dörthe, Barney.

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            Dörthe. (Stürzt zur Thür herein, hat Barney am Aermel und will ihn hereinziehen. Dieser aber, der zerschlagen und blutrünstig aussieht, bleibt unwillig an der Thür stehen.)

            Miß Buehler, Miß Buehler!

            Frau Buehler. (Auffahrend.) Was gibt’s, Dörthe? Was soll der laute Ton?

            Dörthe. (In der Thüre.) Come Barney!

            Barney. (Schüttelt unwillig mit dem Kopfe.)

            Dörthe. (Mit dem Fuße aufstampfend.)

            Come here, Barney!

            Barney. (Brummt etwas durch die Zähne, rührt sich aber nicht von der Stelle.)

            Dörthe. (Zieht Barney herein.) Da sehen Sie man hin! Ist das die Art, wie bei Sie ein anständiges Mädchen in ein anständiges Haus sich zu trieten lassen braucht?

            Frau Buehler. Der Mann blutet ja? Wer ist es denn? Was hat’s gegeben?

            Dörthe. Was es gegeben hat? Sehen Sie sich ihn mal an. (Weint.) Haue hat’s gegeben. Beinahe umgebrungen hat er ihm!

            Frau Buehler. Wer, wer denn?

            Dörthe. Der Krischan, Ihr Kutscher, der miserablichte Schwob hat mich meinen Barney, meinen schönen Barney, zugerichtet wie ein geklopftes Beefsteak! Da sehen Sie ihm mal an; nischt ist von all seine Schönheit geblieben als der eine Vorderzahn.

            (Geht auf Barney zu, der sich mürrisch abwendet und dann, nachdem er die Zähne gefletscht und der eine Zahn sichtbar wurde, abgeht. Dörthe kommt wieder vor zu Frau Buehler, die ein Lächeln nicht unterdrücken kann.)

            Aber Miß Buehler, das sag ich Sie (das Folgende in möglichst schnellem Tempo.) Ich brauche mich in ein anständiges Haus nicht gefallen zu lassen, daß man meinen Liebsten haut. Ueberall wo ich gewohnt habe, habe ich mich einen beau gehalten, wie es einem anständigen Mädchen zukommt und ich bin auf viele Plätze gewesen; Sie müssen nicht denken, daß dies der erste ist und daß ich grün bin und bei Sie dienen muß — 

            Frau Buehler. Dörthe, ich verbitte mir solche Sprache!

            Dörthe. Ach was! Dies is ein freies Land und ich bin gerade so gut wie Sie und noch viel besser, wenn ich auch nicht (schnippisch) Mrs. Mayor bin, was Sie eigentlich auch noch nich sind! — Und der Mr. Buehler — puh! auch en Mayor, das is der Rechte. (Lacht.) Hahaha!

            (Pauken und Pfeifen, untermischt mit Hurrahrufen in der Entfernung, nach und nach näher kommend.)

            Frau Buehler. (Aergerlich werdend.) Dörthe!

            Dörthe. Ha, so’n Mann, der die Dienstmädchens nachstarrt mit die Glotzaugen und keine Courage nicht hat, als ihr manchmal so hinten ’rum ’n Quarter in die Hand zu drücken.

            Frau Buehler. (Höchst aufgebracht.) Jetzt aber hab’ ich’s satt! Gleich packen Sie Ihre Sachen und verlassen das Haus! Augenblicklich gehen Sie!

            Dörthe. Na ja, ich werde man schon. Ich kann einigen Platz haben. Die Mrs. Mayer an die Dritte Straße gibt mich gleich ’en halben Dhaler mehr die Woche, wenn ich zu ihr komme.

            Frau Buehler. (Nimmt Geld aus ihrer Börse.) Da haben Sie Ihr Geld! Marsch hinaus!

            Dörthe. (Im Abgehen verächtlich.) Nu ja, ich gehe ja schon!

            (Als sie zur Thür hinaus will, kommt Buehler.)

 

 

14. Scene.

Vorige. Buehler.

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            (Musik setzt ein hinter der Scene, nicht zu laut. Rufe: “Hurrah, Hurrah! Hurrah for our Mayor! For Captain Godfrey Buehler! etc. etc.”)

            Buehler. (Kommt zur Thür hereingestürmt, umfaßt Dörthe und dreht sich mit ihr ein paar Mal im Kreise herum, bis zur Mitte der Bühne hin.)

            Ich bin gewählt! Ich bin gewählt! Ich bin gewählt! Hurrah!

            Dörthe. (Windet sich los, grimmig zu Buehler im Abgehen.) O you old fool! (Ab.)

            Frau Buehler. Gottfried!

            Buehler. (Stutzt, kraut sich im Haare, während seine Frau auf ihn zugeht, ihn mit ihren Blicken musternd. Er begegnet dem, was sie sagen möchte, indem er sie umarmen will, sie aber windet sich los und wendet sich nach rechts.) Komm her Mrs. Mayor Buehler, sei wieder gut!

            Frau Buehler. (Abwehrend, streng.) Schamloser Mormone!

            (Alle im Eintreten: “Hurrah! Hurrah! Hurrah!” — Musik. — Schlußgruppe.)

 

 

Vorhang fällt.

 

 

 Dritter Akt.

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1. Scene.

            Die Dkoration wie im zweiten Akte. Die Mittelthür ist offen. Die Lampen ausgelöscht. Der Marmortisch vorm Fenster in der Mitte des Zimmers, drei Stühle um denselben. Das Sopha u. s. w. links möglichst zur Seite gerückt.

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            Buehler (allein). (Im Schlafrock.) Also Mayor wär’ ich! Mit 700 Stimmen Majorität! ’s ist doch e schöne Sach’ so Auserwählter des Volks zu sein und zu denke, wie die ganze Stadt jetzt auf ein hinguckt und denkt, der Godfrey Buehler ist doch eigentlich e Mordskerl! ’s muß doch was hinter so me Mensche stecke, sonst könnt’s dem souveräne Volk doch net passire, daß es ihn wählt. Well, das Volk soll sich auch nit in mir getäuscht habe, ich will ihm treulich diene. Jetzt werde die neue Straße ausgelegt und die alte gepflastert. Die Wasserwerke müsse vergrößert werde und dene Yankees, die die deutsche Sprach’ aus de öffentliche Schule treibe wolle, muß gelehrt werde, daß jetzt e deutscher Mayor das Heft in der Hand und ihne das Handwerk lege wird. S’ is doch e Freud das Volk so in sich selbst verkörpert zu sehe und so von Jedem angeredet zu werde: “How do you do, Mr. Mayor ?” und “How is your Honor to-day?” (Nachdenklich.) Nur eins fehlt mir jetzt zu meim Glück: e freundlicher Blick von meiner Frau! Der ist aber seit gestern die Sonn’ im Gesicht untergegange und kein Strahl will mehr aus ihre Auge auf mich niederfalle. 699 Stimmen mehr als ich brauch, um Mayor zu sein und dennoch fehlt mir eine, ohne die ich’s in Friede net sein kann. ’s ist schändlich! Und noch so unschuldig dabei zu sein! Wenn ich mir nur noch so e kleins Fehltrittche zu Schulde hätt komme lasse, da wär doch noch e Bische Sinn in der Geschicht; — aber so unschuldig wie e Lämmerschwänzche! — Aber wenn ich den Kerl zwische die Finger krieg’, der die G’schicht angestiftet hat, dem brech’ ich bei meiner Mayors-Ehr’ alle Knoche im Leib kaput. (Setzt sich.)

 

 

2. Scene.

Buehler, Dorn.

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            Dorn. Guten Morgen, Herr  Mayor.

            Buehler. (Mürrisch.) Guten Morgen. — Ach so, Du bist’s!

            Dorn. Na, gut geschlafen auf Deinen frischen Lorbeeren?

            Buehler. Ja, hat sich was zu Lorbeern! Dorne sind’s, nix als Dorne!

            Dorn. Na, Du fängst aber früh an Deine erhabene Stellung zu beklagen — früher wenigstens, als ich dachte —

            Buehler. Mayor der Stadt zu sein, weißt Du, macht mir vorderhand kei’ Sorge — und wenn ich Trubel hätt’, so würd’ ich schon da­mit fertig wern, — Dir zum Trotz — aber mei Alte —

            Dorn. Ja allerdings, Marie scheint unversöhnlich.

            Buehler. Hast Du das Gesicht gesehe gestern Abend?

            Dorn. (Nickt.)

            Buehler. Den Blick! Ich hab schon manchmal die Bekanntschaft von dem Aug’ gemacht, aber so geblitzt hat’s noch nie aus dere Eck’ wie gestern Abend! Denk Dir nur, scheide will sie sich lasse — scheide!

            Dorn. (Hat sich gesetzt.) Hätte nicht gedacht, daß sie soweit gehen würde — wann hat sie das gesagt?

            Buehler. Gestern Abend, nachdem Du fort warst. — Natürlich, es soll nicht öffentlich sein, nur so unter uns. — Verstehst Du? — Gustav, Gustav! warum hast Du mich verlassen!

            Dorn. (Lächelnd.) Konnt’ ich anders, sie hat mich ja moralisch vor die Thür gesetzt.

 

3. Scene.

Vorige. Christian.

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            Christian. (Wischt sich die Augen, hat geweint.)

            Entschuldige Se, Mischter Bueh — Mischter Mayor, wollt i sage, — Die Dorothee (weint heftig) ischt — ischt net da; und weil e Herr drauße ischt, der Se sehe will — da bin i komme. —Da ischt sei Karte.

            Dorn. Christian, was ist Dir? Du weinst ja?

            Christian. Ach, Herr Dorn, wenn Sie wißtet, wie des thuat, Sie würdet au greine!

            Dorn. Ja was denn, was denn?

            Christian. ’s isch werle schad! ’s war a saubers Ding. I han se so gern ghet und was soll das arme Waisekindle jetzt anfange?

            Dorn. Ja, was für ein Waisenkind? — Wer denn?

            Christian. Ha no, die Dorothee, unser Stubemädle! Mrs. Buehler hat se fortgschickt.

            Buehler. Na ja! Das hat noch gefehlt! (Zu Dorn.) Jetzt wird die Scheidung public!

            Dorn. Warum?

            Buehler. Warum? Natürlich, Du weißt ja net, was e Frau im Stand ist, wenn sie die Aussicht hat, vierzehn Tag ohne Dienstmädche zu sein. (Setzt sich.)

            Dorn. Ach so! (Zu Christian.) Du hast wohl die Dörthe sehr gern gehabt?

            Christian. Ei freili!

            Dorn. Und wolltest sie heirathen?

            Christian. Mrs. Buehler hat g’sagt, se kennt mer eigentli net derzu rathe und i sollt’ es lieber bleibe lasse, aber (heult jetzt) Mischter Dorn (auf’s Herz zeigend) da sitzt’s, da sitzt’s! Seit i den Kerle, den Barney so heillos verschlage han, weiß i ganz gwiß, daß die Dorothee Pätow nie mei Weib wird.

            Buehler. (Springt auf, erschrocken.) Wie? Was ist das?

            Dorn. (Auf Buehler und Christian blickend, ist verblüfft.)

            Buehler. Pätow sagst Du? Weißt Du wo sie herstammt, wer ihre Eltern waren?

            Christian. I glaub, sie hat nie keine g’hett!

            Dorn. Hat sie keine Verwandte?

            Christian. Ja, das weiß i au net, aber Mrs. Buehler weiß vielleicht, wo se herkommt; soll se frage?

            Buehler. Um Himmelswille, nor net!

            Dorn. So? Wie kommst Du darauf?

            Christian. Ha no, wie i der Missis Buehler gestern gesagt han, wie Dörthe heißt, so ist mir’s vorkomme, als ob sie ihre Leut viel­leicht kenne thät.

            Buehler. (Zu Dorn.) Gustav, Gustav! ’s wird immer schöner!

            Dorn. Geh nur jetzt, Christian.

            Christian. Brauchet Se sonscht nex?

            Buehler. Nichts! (Für sich.) Hab schon mehr wie genug!

            Christian. (Geht lamertirend ab.)

 

4. Scene.

Buehler, Dorn.

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            Buehler. (In der Aufregung auf und abgehend.)

            Da haben wir die Bescheerung.

            Dorn. Gottfried, ich fange an Dich wirklich zu bedauern. Diese letzte Entdeckung setzt all dem Andern die Krone auf. Aber wie ist es möglich, daß ihr den Namen von eurem Mädchen nicht kanntet?

            Buehler. Wer kann die Name von all dene Wandervögel behalte. Alle paar Tag ein anderes Gesicht. Es ist kein Zweifel mehr, Dörthe ist das Kind von dem verlassene Frauenzimmer auf dem Schiff und meine Frau glaubt jetzt, ich hätt’ sie heimlich in’s Haus gebracht, weil mich das Gewisse schlägt und ich mei — mei —

            Dorn. (Stichelnd.) Deine Tochter —

            Buehler. (Aergerlich.) Tochter! Laß jetzt Dein unzeitig Gestichel und wend’ lieber Dein große Advokate-Verstand an, mir aus dem Schlamassel zu helfe.

            Dorn. Erinnerst Du Dich denn keines Umstandes mehr, der als Beweis für Deine Unschuld gelten könnte? Ist Niemand zu finden, der diese Beweise erbrächte?

            Buehler. (Nachdem er sinnend und sich durch die Haare fahrend, auf- und abgegangen war.)

            Ja, da war e Kerl, so e langer Engländer oder sonst e Fremder auf dem Schiff, der hat ihr öfters Geld gebracht und ist dann immer, ohne den Dank abzuwarte und ohne zu reden, verschwunde. Aber wo mag der jetzt stecke?

            Dorn. Ja, das ist allerdings fatal!

 

 

5. Scene.

Vorige. Christian, dann Mauser.

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            Christian. Mr. Mayor, jetzt wartet aber der Herr nemme; soll i en vorlasse?

            Buehler. Na meinetwege.

            Christian. (Oeffnet Mauser die Thür und geht dann ab.)

            Mauser. (Auf Dorn zu.) Ah! Mr. Dorn, freut mich sehr!

            Dorn. (Steif verbeugend.) Herr Mauser.

            Mauser. (Zu Buehler.) His Honor, the mayor, nicht wahr?

            Dorn. Oh, sind die Herren nicht bekannt? (Stellt vor.) Gottfried! Herr Mauser, Mitglied des Stadtrathes und Präsident der North Side Improvement Company! — Seiner Ehren der Herr Bürgermeister!

            Buehler. Happy, to meet you!

            Mauser. Mr. Mayor!

            Dorn. (Leise zu Buehler, indem er Stühle herbeirückt.)

            Du, ich glaube, da ist schon Einer am frühen Morgen, der einen Bargain mit Dir machen will, soll ich Dich mit ihm allein lassen?

            Buehler. (Ebenfalls leise.) Oh no, bleib nur! Du sollst gleich sehe, wie ich mit der Sort’ fertig werd’!

            Dorn. (Von Einem zum Andern blickend.)  Ich störe die Herren wohl und will mich deshalb — 

            Buehler. Not at all! Mich nicht. Wenn der Herr nichts dagege hat, so ist’s mir lieber Du bleibst.

            Mauser. (Etwas zögernd.) O durchaus nicht, Mr. Dorn — nur Geschäfte offener Art.

            (Alle setzen sich, kleine Pause.)

            Buehler. (Noch stehend, am Tisch. Gravitätisch.) Well, what can I do for you?

            Mauser. (Hüstelnd.) Nun, sehr viel für uns, für meine Company und für Sie selbst, wenn Sie wollen, Mr. Mayor. (Er zieht eine kleine Landkarte hervor.) Sehen Sie, hier liegen zwanzig Acker Land, die meine Company in Bauplätze auszulegen ge­denkt. Zwischen diesem Land und der Stadtgrenze aber liegt dieser Streifen da — (deutet auf die Karte.)

            Buehler. (Aufmerksam.) Ja, ja, gewiß, mei property.

            Mauser. Ganz recht, Ihr Eigenthum. Wir möchten nun die Straße, die Sie hier sehen, nach unserm Lande durchgeführt sehen.

            Buehler. Durch mei property?

            Mauser. Ja!

            Buehler. Aber mein Land liegt ja 15 Fuß tiefer und es thät mich ja ein Heidegeld koste es auszufülle und nachher doch nicht mehr werth sein. Nix come heraus! Daraus werd’ nix!

            Mauser. Das sollte mir leid thun!

            Dorn. Ist die Stadt denn nach dieser Richtung hin schon bis zur Grenze besiedelt?

            Mauser. Das nicht; aber unser Land liegt schöner und höher, als das nahe der Grenze und würde sich rascher besiedeln.

            Buehler. No, da bin ich entschiede dagege!

            Mauser. Das thut mir leid; denn trotzdem wir schon eine kleine Ma­jorität im Stadtrath sicher haben, hätte ich doch gern Ihre Zu­stimmung.

            Buehler. (Gravitätisch.) Gibt’s net! Die Ordinanz wird einfach gevetoed! Gevetoed wird se!

            Mauser. Sorry, Mr. Mayor, very sorry, aber — 

            Dorn. (Bedeutsam.) Würde Ihre Compagnie Herrn Buehler vielleicht entschädigen für Ausgaben, die ihm in Jahren nichts einbringen werden?

            Mauser. Das käme darauf an, was Herr Buehler für seine Zustimmung haben möchte!

            Buehler. (Zu Mauser.) Was, kaufe wolle Se mich? Kaufe? Wisse Sie was, Sie und Ihre ganze Company habe zusamme net Cash genug, um den Godfrey Buehler zu kaufe. Was glaube Sie denn — Sie — Sie —

            Mauser. (Lächelnd.) Don't get excited, Mr. Mayor. Also Sie wollen nicht? — Nun, dann nicht! Ich kann Sie aber versichern, daß Sie die Ordinanz nicht mit Ihrem Veto belegen werden.

            Dorn. Warum sollte Herr Buehler das nicht thun?

            Mauser. Weil er jede Stimme braucht, wenn die Sonntagsfrage demnächst im Stadtrath vorgebracht wird. Die Temperenz-Partei hat beinahe zwei Dritttheile für sich. Der Herr Mayor wird die Ordinanz natürlich mit seinem Veto belegen, aber er muß verhindern, daß sein Veto überstimmt wird! Dazu braucht er Stimmen, und zwar die Stimmen seiner eigenen Partei und wenn diese gegen ihn fallen, so können Sie sich denken — 

            Dorn. (Aufstehend.) Und Sie sind ein Deutscher?

            Mauser. (Ebenfalls.) Ja, was man hier so nennt!

            Dorn. (Aergerlich.) Natürlich Deutscher, “was man so nennt!” Das heißt: Gott beschütze uns vor unseren Freunden, mit den anderen werden wir schon fertig werden. Herr Mauser, von Ihrer Sorte gibt’s, gottlob, nur Wenige, aber immerhin genug, um sich als ehrlicher Deutschamerikaner herzhaft schämen zu müssen. Herr Buehler wird wahrscheinlich unter so bewandten Umständen Ihre löbliche Privat-Ordinanz zu unterzeichnen gezwungen sein.

            Buehler. (Läuft ärgerlich im Zimmer herum und ballt die Faust.)

            Dorn. (Zu Buehler.) Nicht wahr, Gottfried, Du wirst —

            (Stößt Buehler, der Miene macht “Nein” zu sagen, heimlich an.)

            Buehler. Well all right — meinetwegen!

            Mauser. Nun, das dachte ich mir auch — thank you, Mr. Mayor (Will Buehler die Hand reichen.)

            Buehler. (Aergerlich, ohne die Hand zu nehmen.) Good bye!

            Mauser. (Lächelnd.) Good bye your honor! Good bye Mr. Dorn! (Ab.)

            Dorn. Merkst Du nun, Gottfried, warum ich mit der praktischen Politik nichts zu thun haben mag, das heißt: kein Amt bekleiden will? Und ich fürchte, Du wirst noch viel weniger leicht mit diesem Interessenten-Gelichter fertig werden als ich.

            Buehler. Ich denk’, ich werd’ die Kerle schon nich fixe. Wenn sich nur Alles andere so —

            Dorn. Pst! Still! Deine Frau kommt!

 

 

6. Scene.

Vorige. Frau Buehler.

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            Frau Buehler. (Im Morgenanzug, feierlich.) Guten Morgen Gustav; es ist gut daß ich Dich treffe.

            Buehler. Hast Du vielleicht mit Gustav allein zu spreche?

            Frau Buehler. Nein — die Angelegenheit betrifft auch Dich. — Gustav, ich bin in dieser Nacht zur Ueberzeugung gekommen, daß es besser ist, wenn Gottfried und ich uns trennen.

            Dorn. Aber Marie —

            Frau Buehler. Ich bin fest entschlossen und bitte Dich, die nöthigen gesetz­lichen Schritte zu thun. Meine Ansprüche auf ein Auskommen für meine Kinder und mich werden mäßige sein, anderseits glaube ich einiges Anrecht auf eine gesicherte Existenz zu haben, denn — denn ich habe redlich und treu (wischt sich die Augen) als Gattin an seiner Seite den Wohlstand, den er besitzt, er­ringen helfen; anderseits wünsche ich aber nicht, daß — das — das (schluchzt) arme Waisenkind —

            Buehler. Aber Marie! —

            Frau Buehler. Das arme Waisenkind, die Dörthe Pätow durch mich leiden oder gar leer ausgehen soll.

            Dorn. Aber Marie, Gottfried versichert Dich auf sein Ehrenwort — 

            Frau Buehler. Für mich ist die Schande klar erwiesen. Der gestrige Abend hat mir die Augen geöffnet. In der Freude über seine Wahl spielte ihm das Vaterherz den Streich seine schlau angelegten Pläne über den Haufen zu werfen. Sie war die erste, die er umarmte, als er im Glück über seine Wahl nach Hause stürmte.

            Dorn. Was ist das? Das ist ja sehr verdächtig.

            Buehler. Ach was, ich war halt glücklich über meine Wahl und mußt was zum Knutsche habe; da is mir die ewe in den Weg gelaufe. Im excitement thut mer Einiges. Wenn ich Dich doch versichere, daß ich Dörthe weder gekannt, noch gesehe hab’, eh’ sie in’s Haus gekomme is!

            Frau Buehler. Lassen wir das, ich weiß genug.

            Dorn. Aber wenn er Dir Beweise seiner vollständigen Unschuld bringen kann?

            Frau Buehler. Beweise? Ich sehe nur immer stärkere Beweise für die Schwärze seines Herzens und seiner Gesinnung und darum ist es besser, wir trennen uns und zwar auf immer. Ich baue darauf, Gustav, daß Du sofort die nöthigen Schritte thun wirst, daß in Bälde die, die — (schluchzt) Scheidung ohne Auffälligkeit bewerkstelligt werden kann.

            Dorn. (Mit Advokatenmiene.) Nun denn, Marie, wenn Du willst, ich stehe zu Diensten.

            Frau Buehler. Ich danke Dir. (Ab.)

 

 

7. Scene.

Buehler, Dorn.

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            Buehler. Bist Du denn verrückt?! Weiß wahrhaftig net mehr, was ich von Dir halte soll. Mei Alte macht offenbar bitter Ernst und da redest Du ihr sogar noch das Wort.

            Dorn. Aber Gottfried, siehst Du denn nicht, daß jetzt mit Deiner Frau nicht zu reden ist und daß es besser ist, ihr nicht zu widersprechen? Laß mich nur machen, vielleicht geht noch alles gut. Geh Du aber nun Dich in Gala zu werfen. Gleich wird die ganze Herrlichkeit von Gratulanten, Office-seekers und Schwadroneure erscheinen, dem neuen hochwohllöblichen Bürgermeister von Porcupine City ihre Aufwartung zu machen!

            Buehler. Ach, geh mir weg mit Deine Flause. Was hab ich mich auf den Tag gefreut und was hat er mir gebracht?! Es geht mir bald wie dem Bauernbub, der zum Vegräbniß von seim Vater sei roth West net hat trage derfe: “Jetzt freut mich schon die ganz Leich’ net mehr.” (Ab.)

 

 

8. Scene.

Dorn, Harold.

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            (Dorn will ab, trifft auf Harold.)

            Harold. Ah, guten Morgen, Mr. Dorn, auch schon hier?

            Dorn. Guten Morgen, Harold, wie Sie sehen. — Was gibt’s? Etwas Wichtiges auf der Office?

            Harold. Nicht daß ich wüßte. War übrigens noch gar nicht da. Wollte eben mal Frau Buehler sprechen.

            Dorn. (Lächelnd.) Wegen Rosie, nicht wahr?

            Harold. (Nickt.)

            Dorn. Gute Wahl, Harold! Ein prächtiges Mädchen! Der Alte aber oppositionell, wie?

            Harold. Leider!

            Dorn. Na, ich weiß davon!

            Harold. Frau Buehler ist mir aber sehr gewogen und will sich unserer bei ihrem Gatten annehmen.

            Dorn. Glaub’ ich gerne, aber heute nicht.

            Harold. So, warum? Sie hat uns ihre Hilfe ja gestern noch so warm zugesagt.

            Dorn. Ja, zwischen gestern und heute ist eine lange Zeit. Als prospektives Mitglied unserer illustren Familie darf ich es Ih­nen ja wohl sagen — also im Vertrauen: Herr und Frau Buehler haben sich heillos überworfen. Die Sache scheint fast unmöglich auszugleichen.

            Harold. Herr und Fran Buehler entzweit? Wie versteh ich das?

            Dorn. Hm! Der Artikel im “Evening Light”!

            Harold. Ach, die Geschichte mit dem Frauenzimmer und ihrem Kinde auf dem Auswandererschiff! (Lacht.) Und Frau Buehler glaubt?

            Dorn. Gewiß glaubt sie.

            Harold. Aber es ist doch nichts an der ganzen Geschichte!

            Dorn. (Aufmerksam.) So? Wissen Sie denn das so ganz genau?

            Harold. Well, ich selber weiß nur, was mir mein Vater angedeutet. Er scheint indessen die Umstände ziemlich genau zu kennen.

            Dorn. So? Vielleicht hat am Ende Ihr Herr Vater den Artikel selber in die Zeitung —

            Harold. (Zornig.) Mr. Dorn!

            Dorn. Verzeihen Sie meinen Argwohn! Aber warum hat Ihr Herr Vater denn nicht öffentlich dementirt?

            Harold. Das hätte er auch sicher gethan, wenn er gedacht hätte, die Sache würde eine solche Wendung nehmen.

            (Stimme des Ticketpeddlers hinter der Scene hörbar: “Wie lange soll ich noch warten?”)

 

 

9. Scene.

Vorige. Christian.

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            Dorn. Was gibt’s?

            Christian. Da ist Einer, der nemme warte will und sagt, wenn der Mr. Buehler ihn net glei anhöret wird er ihn für damages verklage!

            Dorn. Schon gut, Christian, gleich!

            (Christian ab.)

            Dorn. Na, Harold, ich werde Ihren Herrn Vater sofort aufsuchen.

            Harold. Sie finden ihn in seiner Office.

            Dorn. In einer Viertelstunde bin ich dort.

            Harold. Ich werde Sie anmelden. Good bye!

            Dorn. Good bye!

            (Harold ab.)

 

 

10. Scene.

Dorn, dann Ticketpeddler.

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            Dorn. So sind die Yankees. Bin ganz überzeugt, den Alten hat es gekitzelt, daß diese Geschichte in die Campagne hineingespielt hat. Selber angeregt hat er sie nicht, aber das Capital, das sich daraus schlagen ließ, hat er stillschweigend für sich hingenommen.

            Peddler. (Tritt auf, defekt angezogen, schlottrige Kleider, Hosen in den Stiefeln und Pelzmütze auf dem Kopf. Kaut ein Primchen und ist ein klein wenig angetrunken.) Ju’n Dag!

            Dorn. (Den Mann ansehend.) Guten Tag. Na, was ist denn das für eine Species? (Pause.) Was wünschen Sie?

            Peddler. (Frech, verlegen.) O — nischt!

            (Er sucht einen Spucknapf und als er keinen findet, nimmt er sein Primchen aus dem Munde und wirft es sorgfältig in die Ecke des Zimmers.)

            Dorn. Nichts? Na darum sind Sie doch wohl nicht hergekommen?

            Peddler. Nee! Ick wäre schon jar nich herjekommen, wenn mich nicht Jemand jesagt hätte, ick sollte mich hier mein Jeld holen.

            Dorn. Geld? Was für Geld und wofür?

            Peddler. Na vor meine Arbeet, die ick vor Ihnen jedhan habe.

            Dorn. Arbeit? Für mich? — (Für sich.) Ja so, ich bin ja gegenwärtig mein Schwager! (Laut.) Haben Sie vielleicht Holz klein gemacht?

            Peddler. Nee, det thu ick sonsten; aber heut hef ick vor Ihnen bei die Leckschen gearbeet.

            Dorn. Ja, was denn?

            Peddler. Ick habe bei die Wahlkasten jestann’ und Tickets jepeddelt.

            Dorn. So — o! Ja, habe ich Sie denn engagirt? Oder, wenn es meine Freunde gethan haben, warum wenden Sie sich nicht an die?

            Peddler. Ach, die kenne ick jar nich! — So wenig wie ick Ihnen kennen dhun dhue! Det macht aber nischt aus; — ick habe den janzen Dag jestanden und habe mir die Beene vor Ihnen abgefroren und nu will ick meine Bezahlung.

            Dorn. (Für sich.) Nicht schlecht, das! (Zum Peddler.) Und wenn ich Ihnen nun sage, daß ich Sie nicht engagirt habe und Sie deshalb auch keine Forderung an mich haben, was dann?

            Peddler. (Nimmt ein neues Primchen, gelassen.)  Dann jehe ick in die 19. Ward und sage die Entschpeckters, sie sollen Ihnen man nich wählen.

            Dorn. (Lächelnd.) So; also auf diese Art wird das gemacht! Ja, aber Mann, die Wahl ist doch längst vorüber.

            Peddler. Jewiß, aber det oviehzielle Zählen nicht.

            Dorn. So, also in eurer Ward zählen sie erst nach dem — Zahlen (macht die Bewegung des Geldzählens.)

            Peddler. Ja, ja, so eben meint ick’t man.

            Dorn. (Aergerlich werdend.) Wissen Sie denn auch, daß man so was Betrug nennt?

            Peddler. M — ja! Det mag’t wohl sind, und ersten as ick noch jrün west, hefft ick’t ooch so anseht, aberscht min Nochbar Jochen Snut söt tau mi: Dat’s Allens was annerscht in Amerika; da möt man smart sind, hat hei segt! Wer d’ meiste betohlt, de hat’s; ob einer nu die Stimmen vor die Wahl kauft oder sie nachher kaufen dhut —

            Dorn. (Unangenehm berührt.) So — so! Und wie lange sind Sie schon im Lande?

            Peddler. Ick? (Besinnt sich.) Lat mol sehn! Am nächsten Ersten sind ’t wohl füf Wochen.

            Dorn. Hab ich mir’s doch gleich gedacht! Nun will ich Ihnen was sagen, Landsmann, — wenn das noch in ihren benebelten Kopf hineingeht — sagen Sie Ihrem Nachbar Knut, oder Snut wie er heißt, er sei ein Lump und ein gemeiner Verführer, der seine Landsleute zu schlechten Streichen anhält. Unsere Wahlverhältnisse hier sind gewiß nicht die allerreinlichsten, aber ein elender Kerl ist der, der sie noch weiter zu verderben sucht, als sie schon sind.

            Peddler. Wat Sie da seggen, haff ick nich all verstann; aberscht et muß wahr sind. Sie scheinen mich ein juten Boß zu sind. Ick will Ihnen nu ok zeigen, det ick ehrlich vor Ihnen gearbeet hab. (Sucht lange in den Taschen.) Wo is et denn? — dat Düvelstüg! Aha, da heff ick’t! (Reicht’s Dorn.) Da sehen Sie sick Ihnen man det Ticket an.

            Dorn. Ein split-ticket mit Thompson als Mayor.

            Peddler. Ja, det hat so’n kleen parfümigter Stutzter in die 7. Ward, wo ick vor Ihnen jestanden bin, jepeddelt — aber wi hefft ihm elklich verkloppt! — Na, wie is et nu mit dem Jelde?

            Dorn. Wie viel beanspruchen Sie denn für Ihre höchst werthvollen Dienste?

            Peddler. Tein Dohler.

            Dorn. Zehn Thaler?! Nu, ich dächte, das wäre ein guter Tagelohn —

            Peddler. Na billiger kann ick et doch nich dhun! Et kost mir selbsten so ville.

            Dorn. Wie rechnen Sie denn das?

            Peddler. Bei det Holzmachen verdien ick füf Dahler. Dat muß ick nu vorneweg abrechnen. Denn hef ick vor Ihnen drei Dahler füftig Cent vertrietet und wenn Sie mich nu tein Dahler geben, komm ick bei den Handel grade raus; denn ’n Dahler brauch ich noch bis ick in die 19. Ward komme, mit all die Saluhns uff’n Weg.

            Dorn. (Lächelnd.) Ja so; daran habe ich allerdings nicht gedacht. Ich will Ihnen das Geld geben, weil Ihre Familie das jedenfalls gut brauchen kann.

            Peddler. Familie hab ick noch nich, aber ick wull mi hier eene suchen.

            Dorn. Sie wollen heirathen?

            Peddler. Nu ja, dat heißt, ick bin man schon so halb und halb verheirathet. Mine Braut is schon vor 26 Jahren nach Amerika ausjewandert und nu wull ick sehen, ob ick ihr nich finden dhue!

            Dorn. Wo sind Sie her? Unb wie heißen Sie denn eigentlich?

            Peddler. Ick bin aus Pommern, und heiße Pätow, Willem Pätow!

            Dorn. Was? Wär’s möglich?

            Peddler. Na, warum sollt’ ick nich. Ick habe mir lange jenug jeschämt, det ick so heiße, Ihnen kann ick’t ja seggen. Sie scheinen mich einen braven Mann zu sein. Ick war ein Luftikus, hab meine erste und einzigste Lieb sitzen lassen, weil mich eine andere besser jefiel. — Na, nachher war’s mit die erst recht nischt, — dann hab ick mir det Trinken angewöhnt, ging in’s Weite und strome nu so einige twintig Jahre in die Welt herum; aber det Verlangen nach meine erste Leiv konnt ick doch nie loskriegen.

            Dorn. Na, nun ist’s allerdings hoch an der Zeit.

            Peddler. Ja, aber ick bin nu auf die richtige Spur.

            Dorn. Gut, gut, wir wollen’s hoffen! — Kommen Sie nur mit mir; vielleicht kann ich Ihnen, wenn auch nicht zu einer Braut, so doch zu einer Tochter verhelfen!

            Peddler. Wie? Wat seggen Se da?

            Dorn. Fragen Sie nicht. — Kommen Sie nur. (Abseits.) Jetzt zu Thompson; ich fühle, er kann Licht in das heillose Dunkel die­ser Geschichte bringen. (Beide ab.)

 

 

11. Scene.

Frau Buehler, dann Oldham.

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            Frau Buehler. (Tritt nachdenklich auf.) Es muß sein. Der Schritt ist nothwendig, wenn mir’s auch in’s Herz schneidet mein Unglück vor die Augen der Welt gezerrt zu sehen! Aber was wird nun aus Rosa und Harold? Ich mag mir die Zukunft nicht ausmalen, es könnte mich wahnsinnig machen!

            Oldham. Aunty, what’s up — Bist Du unwohl?

            Frau Buehler. Nein, nicht im Geringsten!

            Oldham. Du siehst etwas angegriffen aus! Freust Du Dich denn nicht über Uncle’s election?

            Frau Buehler. O gewiß — gewiß thue ich das — aber die Aufregung der letzten Tage hat mich etwas angegriffen. — Was führt Dich zu mir?

            Oldham. Aunty, ich — ich bin gekommen, Dich in einer Sache zu sehen, in welcher Du für mich sehr viel thun kannst. Wie würde ich Dir, perhaps, als son-in-law gefallen?

            Frau Buehler. Als Schwiegersohn? Das ist mir ja ganz was Neues!

            Oldham. Ja, ich liebe Rosie von ganzem Herzen und ich möchte daß Du mir dabei hilfst sie für mich zu gewinnen.

            Frau Buehler. Ja, warum frägst Du sie nicht selbst?

            Oldham. I guess she don‘t like me.

            Frau Buehler. (Für sich.) Ich glaube es auch. (Laut.) Rosie’s Herz ist nicht mehr frei.

            Oldham. I know it.

            Frau Buehler. Nun?

            Oldham. Well, ich dachte, so weit wäre es noch nicht.

            Frau Buehler. Ich glaube doch. Harold Thompson hat bei mir um Rosas Hand angehalten.

            Oldham. Und Du hast ihn encouraged und ihm, perhaps, sogar Rosie’s Hand versprochen?

            Frau Buehler. Ja und nein!

            Oldham. Also ist noch Hoffnung?

            Frau Buehler. Meine Zustimmung haben die Brautleute. Es fehlt nur noch die Onkel Buehlers.

            Oldham. Uncle Buehler wird seine Zustimmung zu der Verbindung seiner Tochter mit dem Sohn seines Feindes nie geben; never!

            Fran Buehler. Ach so; — nun darüber kannst Du Dich beruhigen!

            Oldham. Wenn aber Leute alles aufbieten um Onkel Buehler zu defeaten —

            Frau Buehler. Das ist nun einmal in der Politik nicht anders.

            Oldham. Wenn sein Opponent aber Dinge in die Welt hinausgeschickt hätte, die Onkel Buehlers Charakter touchen?

            Frau Buehler. (Aufmerksam.) Was? Wie meinst Du das?

            Oldham. (Spöttisch lächelnd.) Didn’t you read the papers? Die Geschichte auf dem Steamer anno dazumal?

            Frau Buehler. Wie käme Thompson damit in Verbindung?

            Oldham. Was thut ein Yankee nicht, um zu seinem Zweck zu gelangen? Harold Thompson is none too good for that.

            Frau Buehler. Also Du glaubst, Harold hätte —

            Oldham. Nun, wer denn sonst?

            Frau Buehler. (Nach einer Pause.) Charley, das kann ich nicht glauben!

            Oldham. Well, — vielleicht war’s auch der alte Thompson. Irgend einer von der crowd hat es in die Welt hinausgesprengt.

            Frau Buehler. (Aufmerksam.) Also gewiß weißt Du es nicht?

            Oldham. M — no — but —

            Frau Buehler. Dann solltest Du aber auch nicht den Verdacht aussprechen. Wenn Onkel Buehler davon erfährt, wird er bei seiner leichtgläubigen Natur bitter ergrimmt werden über die Thompsons.

            Oldham. (Unvorsichtig.) That would just suit me!

            Frau Buehler. So, also daher bläst der Wind? Du willst Zwietracht säen? Fast bringst Du mich auf die Vermuthung, daß Du selbst Der­jenige bist, der diese Geschichte verbreitet hat.

            Oldham. (Für sich.) Perhaps she aint much out of the way!

            Frau Buehler. Aber ich will zu Deiner Ehre annehmen, daß ich mich irre und daß ein Funke wahrer Liebe für Rosa in Dir ist, der Dich zu solch verwerflichen Mitteln greifen ließ.

            Oldham. (Aergerlich, für sich.) I guess my little scheme didn’t work, after all.

            Frau Buehler. Charley, Charley — Du einziges irregeleitetes Kind meiner armen verstorbenen Schwester! Wie glücklich ist sie, daß sie Dich heute nicht sehen kann! Sie, die für Dich gelitten und nach Deines Vaters Tode ihre paar Kenntnisse auffrischte und Lehrerin wurde, um Dich ernähren zu können und die schließlich unter der Last ihres Berufes zusammenbrach.

            Oldham. (Ungeduldig.) Oh sha! Das sind alte Geschichten; ich hatte sie schon alle glücklich vergessen.

            Frau Buehler. Ja, allerdings hast Du sie vergessen, wie Du den ehrlichen Namen vergessen hast, den sie trug. Du bist die Mutter nicht werth, die immer nur an Dich und Deine Zukunft dachte und die mit ihrem letzten Athemzuge noch Deinen Namen stammelte.

            (Sie steht auf und geht an die Kommode, um eine Schatulle aus derselben zu holen.)

            Oldham. (Für sich.) She’s wound up, it seems.

            Frau Buehler. Schon längst hatte ich die Absicht, die paar Andenken die sie hinterließ, Dir zu übergeben, aber ich wollte warten, bis Du etwas ernsteren Sinnes geworden und diese Andenken so achten würdest, wie sie es verdienen. — Hoffentlich rühren Dich diese Zeichen aufopfernder Liebe und flößen Dir etwas Wärme und guten Willen in Dein kaltes verstockes Herz!

            (Kehrt zum Tisch zurück.)

            Oldham. (Für sich.) Sentimental nonsense.

            Frau Buehler. (Die Schatulle öffnend.) Hier unter unseren eigenen Familienpapieren habe ich sie sorgsam aufbewahrt. Sieh hier das Selbstbildniß Deines Vaters auf der alten Broche, die Deine Mutter einst mit so gerechtem Stolze trug — diese blonde Locke, die ich für Dich noch in der letzten Stunde aus der Fülle ihrer Haare geschnitten, — hier Deine ersten Kinderschuhe —

            (Oldham ist lässig auf die Schatulle zugegangen und blickt die Gegenstände gleichgültig an.)

 

 

12. Scene.

Vorige. Christian.

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            Christian. Mrs. Buehler! Mrs. Buehler!

            Frau Buehler. Was gibt’s?

            Christian. Se send scho älle do, die Herre, die dem Mayor Buehler gratulire wöllet.

            Frau Buehler. Ach so! Herr Buehler wird wohl in seinem Zimmer sein. Rufe ihn Christian.

            Christian. (Nach links ab.)

 

 

13. Scene.

Frau Buehler, Oldham. Pete, Smith, Crooke, Cook, Jones.

Dann beide Thompsons. Später Buehler, Knödel, Balzer,

Lutz. Zuletzt Rosie und Fritz.

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            Oldham. (Ist an der Schatulle stehen geblieben und hat darin eifrig gekramt und scheint etwas gefunden zu haben, was ihn höchlichst interessirt.)

            Pete. Good morning, Mrs. Buehler! (Stellt die mit ihm gekommenen Herren vor.)

            Mrs. Buehler, Mr. Smith; Mrs. Buehler, Mr. Cook; Mrs. Buehler, Mr. Crooke; Mrs. Buehler, Mr. Jones; Mr. — Mr. — Na, Sie wisse ja, wie Sie heiße.


            (Einer nach dem andern tritt vor und sie sprechen abwechslungweise: Glad to meet you — Happy to see you — Glad to know you — How dy u. s. w. und schütteln Frau Buehler derb die Hand, welche dieselbe nachher vor Schmerz reibt.)

            (Thompson und Harold kommen von der Mitte. Buehler, in Wichs und mit Würde, tritt von der Seite auf und schüttelt die Hände der anwesenden Herren. — Er ist etwas verblüfft, Thompson zu sehen, faßt sich aber schnell.

            Rosa und Fritz treten ebenfalls ein.)

            Thompson. (Auf Buehler mit Anstand zugehend, im Rednerton.) Herr Buehler! Ich beeile mich einer der Ersten zu sein, Ihnen meine Gratulation darzubringen. Ich habe jedes ehrliche Mittel gebraucht Sie zu schlagen, es ist mir aber nicht gelungen. Das Volk hat gesprochen; ich beuge mich seinem Willen und reiche meinem ehrenwerthen Gegner die Hand! Wollen Sie dieselbe annehmen?

            Buehler. (Etwas verblüfft, dann mit Stolz.) Gewiß, Judge, hier mei Hand! (Schütteln sich kräftig die Hand.)

            Harold. Auch ich gratulire Ihnen von Herzen.

            Buehler. Danke! Danke! (Für sich.) Die Yankees habe doch so a Art an sich; — ich könnt’s net!

            Rosa. Gratulire Papa!

            Fritz. Me too, Papa! Didn’t I tell you I’d win my bet!

            (Beide treten zu Frau Buehler.)

            Oldham. (Hat währenddem die Papiere in der Schatulle durchsucht; er forscht nach einem Blatt, das er nicht finden kann. Endlich tritt er mit einem Dokument an Buehler heran.) Sag mal, uncle, bist Du denn auch Landesbürger?

            Buehler. (Entrüstet.) Dumme Frag!

            Oldham. Wo verwahrst Du denn Deine papers?

            Buehler. Papers? Brauch ich keine! Ich bin als minorenner Bub von 19 Jahr mit meim Vater eingewandert und bin demnach Bürger auch ohne Papiere.

            Oldham. Ja, dann muß aber Dein Vater Citizen gewesen sein.

            Buehler. Er war’s auch! Ich weiß noch wie er für McClellan gestimmt hat. Wart emal — sei Bürgerschei muß doch noch in der Box sein. (Ruft.) Mama!

            Oldham. Laß nur! Dies ist das einzige Papier, was in der Box enthalten ist.

            Buehler. Nun — und?

            Oldham. (Im Stillen triumphirend.) Well, dies ist nur das erste paper Deines Vaters — his intention paper — sonst ist keines vorhanden.

            Buehler. (Starrt das Papier an, besieht’s von alten Seiten, kratzt sich hinter’m Ohr und läuft endlich an die Schatulle, worin er dann eifrig, aber erfoglos kramt. Inzwischen hat sich Oldham zu den Freunden Buehler’s gewandt und ihnen mit lebhaftem Bedauern angedeutet, daß Buehler wahrscheinlich kein Bürger sei. Bewegung unter den Anwesenden.)

            Balzer. Kein Bürger, — dummes Zeug!

            Lutz. Ich hab ihn ja schon stimmen sehen, wie ich noch so klein war wie ein Baby! (Macht die Bewegung.)

            Smith. Das will nichts heißen! Es stimmt Mancher, der kein Recht dazu hat.

            Knödel. A nice piece of business that! Wir quälen uns ab ihn zu erwählen und nachher kommt’s ’raus, daß er kein Bürger ist.

            Pete. Was habt Ihr g’sagt? Der Capt’n ist kein Bürger? — Nonsense! (Geht zu Buehler an den Tisch.) Wo sein Deim Vater seine Papiere?

            Buehler. (Gibt Pete ein Blatt, welches er zu lesen versucht. Da er dieses aber schlecht fertig bringt, wendet er sich mit demselben an Judge Thompson. Alle folgen neugierig.)

            Pete. Judge, gucke Se mal das Papier do an. Ist das vielleicht e mortgage oder e marriage-license, oder was is es?

            Thompson. (Besieht das Papier.) Nein, das sieht aus, wie ein Bürgerschein.

            Pete. (Zu den Anderen gewendet.) No, was habe ich gesagt?

            Thompson. Aber nur eine Intentions-Erklärung.

            Pete. (Verdutzt.) So? Und der Bub, dem sei Vatter net voller Bürger ist, eh der Bub majorenn geworde is, der Bub ist kein Bürger?

            Thompson. Ja, so ist es!

            Pete. (Nach einer kleinen Pause.) That settles it.

            Oldham. (Hämisch lächelnd, für sich.) I think so too!

            Buehler. (Sinkt in das Sopha.) O, ich Esel!

            Rosa. O weh, jetzt ist alles aus!

            Harold. Das hat uns gerade noch gefehlt.

            31 (Harold und Rosa gehen mit lebhaften Geberden des Bedauerns auf Buehler zu. Buehler wehrt sie ab.)

            Balzer. (Zu Buehler.) Du bist uns ein Schöner! Willst für Mayor laufen und weißt noch nicht, daß das erste Gebot im Lande heißt: Du sollst Bürger werden.

            Knödel. All die Arbeit — das schöne Geld und — obendrein den Katzenjammer — alles umsonst!

            Balzer. Und der schöne Gedanke endlich einmal eine fette Office zu bekommen, ist auch futsch!

            Knödel. ’s ist schändlich!

            Balzer. Zu dumm!

            Smith. Dam fool!

            Jones. (Lachend.) It serves that greenhorn right!

            (Alle nach hinten.)

            Pete. Wer war denn aber der Schmartmeier, der sein Nas in annere Leute ihre papers steckt?                                     

            Buehler. (Fährt plötzlich auf und deutet auf Oldham.) Da steht der Schuft mit seiner Spürnas, dem ich sein Lebtag Wohlthate erwiese hab und die er mir jetzt auf die Art dankt! (Zu Oldham.) Mach, daß Du mir aus de Auge kommst, daß ich net vergeß, daß ich Dein Onkel bin und Dir net die Knoche im Leib verschlag.

            Alle. Schmeißt den Kerl, den Schuft, den Lump hinaus! Hinaus! Hinaus! (Wollen auf ihn zu.)

 

 

14. Scene.

Vorige. Dorn, Ticketpeddler, Christian, Reporter, Dörthe.

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            Dorn. Was gibt’s denn da?

            Pete. Eweda wolle mer en Schuft enausschmeiße!

            Dorn. Einen Augenblick! Soeben komme ich von der Office des “Evening Light,” wo mir auf dringendes Verlangen mitgetheilt wurde, daß der Name des Mannes, der die verläumderische Geschichte über Herrn Buehler in die Zeitung brachte (spöttisch) Mr. C. J. Oldham ist! (Zum Reporter.) Nicht wahr, Herr Reporter, Sie bestätigen mir das?

            Reporter. Gewiß! Er wollte erst den “Volkswächter” damit beglücken, aber Herr Buehler weiß, daß mir nichts Nachtheiliges gegen ihn bringen würden, auch wenn’s die Wahrheit wäre.

            Alle. Schmeißt den Schuft hinaus.

            Peddler. Halt mal! Dat is ja der kleene parfümigte Stutzer, der in die 7. Ward, wo ich jestanden bin, det split-ticket jepeddelt hat. Das Jeschäft is ihn aber bald jelegt worden. En feiner Herr, (wird Harold ansichtig) ach ja, da sind Sie ja woll ook! Ju’n Dag! Det haben Sie fein jemacht. (Zu den Uebrigen.) Als hei nich jehen wullt, do hat er em mit die Hand jezeigt, wo de Weg hinlöpt, (macht Gebärde) un wi Annern mit drop, — rin in die Gosse! —

            Alle. ’raus mit ihm.

            Oldham. (Wird hinausgeworfen. Die Freunde Buehlers, außer Pete, gehen mit ab.)

            Frau Buehler. Wer ist dieser Mann?

            Dorn. Dieser Ehrenwerthe ist Dörthens Vater! Wie Enoch Arden war er verschollen und ist wieder aufgetaucht zur Freude seiner Tochter Dörthe und (leise zu Frau Buehler) zu Deinem und Gottfrieds Glück!

            Christian. (Zieht Dörthe in die Thür, wo sie stehen bleibt.) O Frau Buehler, se will net rei komme! I weiß, se hat net schön an Ihne ghandelt, aber sehet Se, i konnt halt net ohne sie sei. Wöllet Se uns net de Sege gebe? (Winkt Dörthe, die aber nicht kommen will.)

            Frau Buehler. Schon gut, lieber Christian (reicht beiden die Hand), ich wünsche Ihnen und Dörthe alles Glück — das wissen Sie ja — aber nun (sich bei Dorn und den Anderen umsehend) erklärt mir das Räthsel?

            Dorn. (Auf Judge Thompson deutend.) Da steht der Mann, der damals auf dem Schiff das Mädchen unterstützt hat. (Zu Thompson.) Judge jetzt reden Sie!

            Buehler. Ja, war ich denn blind? Sie ware der lange Ker — Engländer — dafür hab ich Sie nämlich damals gehalte — über den ich mich so schmählich geärgert hab?

            Thompson. Ja, ich habe damals, durch unseren Consul veranlaßt, dem armen Mädchen die Ueberfahrt ermöglicht.

            Buehler. Judge — shake! Sie sind doch e famoser Kerl! (Zu Frau Buehler.) Alte, hast Du’s gehört? Meine Beweise — da sind sie!

            Frau Buehler. (Fällt weinend Buehler um den Hals.) Gottfried! (Zu Thompson.) Herr Thompson! O wie ich Ihnen dankbar bin.

            Buehler. Jetzt kann mer der ganze politische Krempel gewoge bleibe. Der Mayor ist futsch! Alte, aber Du lebst und ich halt Dich im Arm, wie in uns’re junge Tage!

            (Umarmung, Händeschütteln.)

            Frau Buehler. Lieber Gottfried!

            Buehler. (Zu Harold.) Jetzt aber zu Ihnen, junger Mann! Sie sind a Gentleman! Ja, noch mehr: Sie verdiente a Deutscher zu sein! — Nein, ich mein’s im Ernst und wenn es Ihrem brave Vater recht is und Sie wolle die Tochter von einem — geschlagene Mann zur Frau habe, so gehört sie Ihne. (Zu Frau Buehler.) Was sagst Du, Alte? (Zu Thompson.) Judge?

            Frau Buehler. O meinen Segen haben sie schon längst!

            Thompson. Auch den meinigen!

            Rosa. (In die Arme ihres Vaters.) Lieber Vater! (In die Arme Harolds.) Harold!

            Harold. My dear Rosie!

 

 

15. Scene.

Vorige. Mrs. Mayer. Damencomite.

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            Mrs. Mayer. (War gegen Ende der vorigen Scene an der Spitze des Damenkomites, welches das Silberservice feierlich vor sich herträgt, eingetreten, und wendet sich nun an Buehler, der seinerseits sich noch einmal gravitätisch aufrichtet.) Soeben von Ihrer glorreichen Wahl unterrichtet, nehmen wir die Gelegenheit wahr unserem neuen Bürgermeister die schuldige Hochachtung darzubringen und ihm, das von seinen Mitbürgern zuerkannte Geschenk eigenhändig zu überreichen.

            Buehler. Well, Mrs. Mayer, ich dank Ihne vielmals für Ihre gute Absicht, aber Sie komme mit Ihre Gratulation e wenig zu spät! Mei Termin is um! — Ich habe schon wieder resigned. Den Pitcher aber werd ich zur Erinnerung an mei kurze Mayorschaft dankbar behalte. (Zur Seite.) Bezahlt hab ich ihn ja doch!

            (Das Service wird auf den Mitteltisch gesetzt.)

            Dorn. Und etwas Eiswasser kann Dir auch nicht schaden!

            Pete. (Am Mitteltisch, Christian dahinter.) Mer kann ja auch — da — was Anders draus trinke, net wohr? (Winkt Christian, der eilends mit dem Service abgeht.)

            Buehler. Schö, Alte, wär’s aber doch gewese, wenn mer jetzt auch noch “Mr. und Mrs. Buehler” heiße dhäte!

            Pete. Never mind, wenn Du Berger werst, kannst Du bei der nächste Wahl noch emal laufe.

            Buehler. Du besser laufst und sorgst dafor, daß mer emal anstoße könne auf das neue engagement!

            Pete. Hawe mer scho besorgt. (Christian tritt auf.) Her mit dem Temperenzkessel!

            Dorn. Da kommt der Pitcher ja gerade recht.

            (Christian kehrt mit dem gefüllten Pitcher zurück. Pete und Christian gießen in die zu demselben gehörigen Becher und reichen diese herum.)

            Buehler. Hoffentlich platzt er net, wenn e stärkerer Droppe hinei kommt als Eiswasser.

            Dorn. Also: Das Brautpaar soll leben!

            Buehler. (Indem er seine Frau um die Taille faßt.) Und die Alte danebe.

            Pete. (Vortretend.) Und der Herr Mayor Bueh —

            Buehler. Werst Du gleich still sei!

            Alle. Hoch! Hoch! Hoch!

 

Vorhang fällt.